4,2/5 Sterne (10 Stimmen)
Betriebsanweisung versus Arbeitsanweisung 4.2 5 10

Betriebsanweisung versus Arbeitsanweisung

(Kommentare: 0)

Anweisungen für ein sicheres Arbeiten. - Bild
Anweisungen für ein sicheres Arbeiten.

Als Mitarbeiter im Allgemeinen und Elektrofachkraft im Besonderen kann man da schon ins Grübeln geraten: Betriebsanweisungen, Arbeitsanweisungen, Anleitungen, Unterweisungen - da blickt manch einer nicht mehr durch. Doch näher betrachtet ist alles ganz einfach.

Vor allem die Begriffe „Betriebsanweisung“ und „Arbeitsanweisung“ werden im täglichen Gebrauch oft verwechselt. Sie beschreiben zwei verschiedene Dinge, können aber kombiniert werden.

Die Betriebsanweisung ist Arbeitgeberpflicht

Eine Betriebsanweisung enthält schriftliche Anordnungen des Unternehmers für den korrekten und sicheren Umgang mit Arbeitsmitteln und gefährlichen Stoffen. Sie gehört zu den Arbeitgeberpflichten.

Die Betriebsanweisung muss in Deutschland für Maschinen und andere technische Anlagen erstellt werden, außerdem für biologische Arbeitsstoffe und Gefahrstoffe sowie für Zubereitungen, die diese Stoffe über bestimmte Prozentsätze hinaus enthalten.

Sinn und Zweck der Betriebsanweisung

Eine Betriebsanweisung weist auf konkrete Gefahren an einem bestimmten Arbeitsplatz hin, damit Beeinträchtigungen der Gesundheit und der Umwelt vermieden werden. Das bedeutet, dass neben den Informationen des Herstellers auch die besonderen Gegebenheiten des Arbeitsumfeldes mit einbezogen werden müssen.

So gibt es zum Beispiel eine Betriebsanweisung speziell

„für den Betrieb elektrischer Anlagen und Betriebsmittel aller Spannungsebenen im Bergbau unter Tage sowie elektrischer Anlagen und deren Teile im Bergbau über Tage, die bei Untrennbarkeit der Arbeits- und Betriebsvorgänge funktionell und sicherheitstechnisch mit dem Untertagebetrieb unmittelbar zusammenhängen“.

Die Betriebsanweisung als Grundlage für Arbeitssicherheit

Die Betriebsanweisung muss klare, eindeutige Aussagen enthalten, in einer Sprache, die die zuständige Elektrofachkraft gut versteht. Sie muss genau erklärt und an geeigneter Stelle zugänglich gemacht werden, zum Beispiel per Aushang.

Rechtliche Grundlage sind vor allem die Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaften, das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchutzG), die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV), die Biostoffverordnung (BioStoffV) und die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV).

Der Inhalt einer Betriebsanweisung sollte nach Angabe der Berufsgenossenschaften folgende Punkte umfassen:

  • Anwendungsbereich
  • Gefahren für Mensch und Umwelt
  • Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln
  • Verhalten bei Störungen
  • Verhalten bei Unfällen, Erste Hilfe
  • Sachgerechte Entsorgung/Instandhaltung
  • Folgen bei Nichtbeachtung

Eine Betriebsanweisung beschreibt also kurz und knackig die zu ergreifenden Schutz- und Verhaltensmaßnahmen bei einer Tätigkeit („Beim Umgang mit Ethanol sind Schutzhandschuhe zu tragen“). Damit dient sie auch als Grundlage für Unterweisungen der Beschäftigten. Die Betriebsanweisung zielt also vor allem auf den Bereich Arbeitssicherheit, Unfallverhütung und Gesundheit.

Sinn und Zweck von Arbeitsanweisungen

Während es bei der Betriebsanweisung vor allem um die Vermittlung von Sicherheitsmaßnahmen geht, steht bei der Arbeitsanweisung der Prozess, das sichere Durchführen der Tätigkeit an sich, im Vordergrund.

Eine Arbeitsanweisung beschreibt, wie eine bestimmte Tätigkeit erfolgreich bewältigt wird, etwa beim Bedienen einer Anlage oder Prüftätigkeiten. Sie ist von Bedeutung, wenn eine Arbeitsfolge eingehalten werden muss, um ein technisch korrektes Ergebnis zu erhalten, zum Beispiel bei Arbeiten unter Spannung, berücksichtigt aber auch Aspekte wie das Einrichten und Abräumen des Arbeitsplatzes.

Die Arbeitsanweisung als Leitfaden

Der Auftragnehmer, in diesem Fall die Elektrofachkraft, muss die Arbeitsanweisung des Unternehmers schließlich unterschreiben. Das Dokument ist auftragsgebunden, bezieht sich also zunächst auf einen Arbeitsablauf an einem bestimmten Ort.

Soll der Mitarbeiter genau diese Tätigkeit an einem anderen Ort wiederholen, kann der Auftraggeber das auch mit einer Dauerarbeitsanweisung regeln.

Die Arbeitsanweisung ist also ein Hilfsmittel, eine Art Leitfaden für den Mitarbeiter und wird oft in Form einer Checkliste verfasst. Damit eignet sie sich auch als Grundlage für die Einarbeitung neuer Kollegen oder dient als Unterstützung, wenn ein Mitarbeiter trotz seiner Qualifikation immer wieder die gleichen Fehler macht.

Neben den Hinweisen zum Arbeitsverfahren enthält die Arbeitsanweisung aber auch Sicherheitsanweisungen, berücksichtigt zum Beispiel alle relevanten Normen und Richtlinien – etwa Grenzwerte bei Prüfungen oder das Verhalten bei Abweichungen.

Deshalb gibt es durchaus Überschneidungen, und es kann es sinnvoll sein, Arbeitsanweisung und Betriebsanweisung zu kombinieren.

Tipp der Redaktion
Fit für die täglichen Herausforderunge

Die Erstellung von Arbeits- und Betriebsanweisungen ist mit einem hohen zeitlichen Aufwand verbunden.
Mithilfe professionell erstellter Mustervorlagen für zahlreiche Tätigkeiten, Gefahrstoffe und Arbeitsmittel gelingt Ihnen dies aber ganz leicht und schnell.

Und dann wäre da noch… die Betriebsanleitung

Diese Information erhalten Sie zum Beispiel (in Form eines Zettels oder einer kleinen Broschüre) mit jedem neu gekauften Auto, Wasserkocher, Toaster oder anderen technischen Errungenschaften: Die Betriebsanleitung enthält Angaben des Herstellers zur sicheren Funktionsweise des Produkts.

Im Gegensatz zur Betriebsanweisung bezieht sich diese Information also mehr auf das Gerät oder die Maschine und kommt in allen Bereichen des täglichen Lebens zum Einsatz.

Sie enthält zwar auch relevante Sicherheitshinweise und weist zum Beispiel bei einem Fön darauf hin, dass der Netzstecker nach Gebrauch zu ziehen ist. Im Vordergrund aber steht die Handhabung.

Allerdings ist der Begriff „Betriebsanleitung“ vor allem im Maschinen- und Anlagenbau gebräuchlich, bei anderen technischen Geräten werden eher die Begriffe Gebrauchsanleitung, Gebrauchsanweisung und Bedienungsanleitung verwendet.

Autorin: Christine Lendt, freie Journalistin

Zurück

Kommentare

Diskutieren Sie mit

* Pflichtfeld