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Arbeitsanweisungen für sichere elektrotechnische Tätigkeiten

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Die Arbeitsanweisung dient der EFK oder EuP als Unterweisung für die auszuführende Arbeit.
Die Arbeitsanweisung dient der EFK oder EuP als Unterweisung für die auszuführende Arbeit. (Bildquelle: Reggie Lavoie/iStock/Thinkstock)

Für elektrotechnische Tätigkeiten sind Arbeitsanweisungen unerlässlich. Mit der Arbeitsanweisung erhält die Elektrofachkraft eine schriftliche Unterweisung zur sicheren Bedienung elektrischer Arbeitsmittel und Anlagen oder zur Durchführung elektrotechnischer Tätigkeiten wie Prüfungen.

Die Arbeitsanweisung gilt für den im Geltungs- und Anwendungsbereich definierten Arbeitsablauf an einem Ort. Sie kann aber auch für sich wiederholende Arbeitsabläufe erstellt werden. Ortsspezifische Anpassungen sind dann noch vorzunehmen. Die Arbeitsanweisung dient der Elektrofachkraft (EFK) oder elektrotechnisch unterwiesenen Person (EuP) als Unterweisung für die auszuführende Arbeit.

Notwendigkeit einer Arbeitsanweisung

Der Unternehmer hat nach dem Arbeitsschutzgesetz die Pflicht für die Sicherheit und Gesundheit seiner Mitarbeiter zu sorgen. Dies bedeutet, der Unternehmer bzw. die verantwortliche Elektrofachkraft muss Arbeitsanweisungen für elektrotechnische Tätigkeiten anfertigen. Diese muss alle möglichen Gefahren, die bei der Tätigkeit entstehen können, sowie die Schutzmaßnahmen, um diesen Gefahren entgegen zu wirken, beinhalten.

Auszüge aus dem Arbeitsschutzgesetz

㤠3 Grundpflichten des Arbeitgebers

(1) Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter Berücksichtigung der Umstände zu treffen, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen. Er hat die Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen und erforderlichenfalls sich ändernden Gegebenheiten anzupassen.“

㤠5 Beurteilung der Arbeitsbedingungen

(1) Der Arbeitgeber hat durch eine Beurteilung der für die Beschäftigten mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdung zu ermitteln, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes erforderlich sind.

(2) Der Arbeitgeber hat die Beurteilung je nach Art der Tätigkeiten vorzunehmen. Bei gleichartigen Arbeitsbedingungen ist die Beurteilung eines Arbeitsplatzes oder einer Tätigkeit ausreichend.“

㤠6 Dokumentation

(1) Der Arbeitgeber muß über die je nach Art der Tätigkeiten und der Zahl der Beschäftigten erforderlichen Unterlagen verfügen, aus denen das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung, die von ihm festgelegten Maßnahmen des Arbeitsschutzes und das Ergebnis ihrer Überprüfung ersichtlich sind. Bei gleichartiger Gefährdungssituation ist es ausreichend, wenn die Unterlagen zusammengefaßte Angaben enthalten.“

§ 9 Besondere Gefahren

(1) Der Arbeitgeber hat Maßnahmen zu treffen, damit nur Beschäftigte Zugang zu besonders gefährlichen Arbeitsbereichen haben, die zuvor geeignete Anweisungen erhalten haben.

(2) Der Arbeitgeber hat Vorkehrungen zu treffen, daß alle Beschäftigten, die einer unmittelbaren erheblichen Gefahr ausgesetzt sind oder sein können, möglichst frühzeitig über diese Gefahr und die getroffenen oder zu treffenden Schutzmaßnahmen unterrichtet sind. …“

Inhalte einer Arbeitsanweisung

Die Arbeitsanweisung für eine elektrotechnische Tätigkeit enthält eine Reihe von Informationen, die die Elektrofachkraft oder elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP) für die erfolgreiche und sichere Durchführung ihrer Tätigkeit benötigt.

Wichtige Elemente sind:

  1. Geltungsbereich
  2. Anwendungsbereich
  3. Gefährdungen für Menschen und elektrische Anlagen
  4. Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln
  5. Verhalten bei Unregelmäßigkeiten
  6. Verhalten bei Unfällen
  7. Arbeitsablauf und Sicherheitsmaßnahmen
  8. Abschluss der Arbeiten

Abb. 1: Arbeitsanweisung für Arbeiten unter Spannung an Niederspannungsanlagen

Arbeitsanweisung für Arbeiten unter Spannung

Außerdem müssen folgende Informationen in der Arbeitsanweisung zu finden sein:

  • Name der Firma
  • Arbeitsbereich, Arbeitsplatz, Tätigkeit
  • Name des Arbeitsverantwortlichen und Anlagenverantwortlichen
  • Datum, Unterschrift des Arbeitsverantwortlichen
  • Unterschrift der Elektrofachkraft, die die Arbeiten ausführt oder aufsichtsführend tätig ist
  • Freigabe der Arbeitsanweisung durch den Unternehmer

Der Auftragnehmer, in diesem Fall die Elektrofachkraft, muss die Arbeitsanweisung des Unternehmers (der verantwortlichen Elektrofachkraft) schließlich unterschreiben. Das Dokument ist auftragsgebunden.

Abgrenzung zur Betriebsanweisung

Zu den Pflichten des Arbeitgebers gehört ebenfalls die Erstellung von Betriebsanweisungen.

Der Unterschied zur Arbeitsanweisung besteht darin, dass die Arbeitsanweisung den sicheren Ablauf einer elektrotechnischen Tätigkeit darstellt, während es bei der Betriebsanweisung um die Vermittlung von Sicherheitsmaßnahmen geht.

Die Betriebsanweisung dient zur Gefahrenabwehr, indem sie auf Gefahren an einem bestimmten Arbeitsplatz hinweist, mit dem Ziel die Beeinträchtigungen der Gesundheit und Umwelt zu vermeiden.

Rechtliche Grundlagen

  • Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaften
  • Arbeitsschutzgesetz (ArbSchutzG),
  • Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV),
  • Biostoffverordnung (BioStoffV)
  • Gefahrstoffverordnung (GefStoffV)

Betriebsanweisungen werden erstellt für den sicheren Einsatz und Umgang mit

  • Maschinen und Arbeitsmitteln,
  • Gefahrstoffen,
  • biologischen Arbeitsstoffen und
  • persönlicher Schutzausrüstung (PSA).

Abb. 2: Betriebsanweisung für den sicheren Umgang mit Leitern und Tritte

Betriebsanweisung: Sicherer Umgang mit Leitern und Tritte

Eine Betriebsanweisung beschreibt also ganz übersichtlich die zu ergreifenden Schutz- und Verhaltensmaßnahmen bei einer Tätigkeit.

Autorin: Christina Wernicke

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