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Anforderungen an in der Elektrotechnik Tätige

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Die DIN VDE 1000-100 legt die Rahmenbedingungen für Elektrofachkräfte fest

Elektrotechnische Arbeiten sind mit Gefahren verbunden, die zu schweren Sach- oder gar Personenschäden führen können. Daher sind bestimmte elektrotechnische Qualifikationen, wie eine fachliche Ausbildung, klar definierte Aufgabengebiete und Kenntnisse von Normen und Vorschriften Voraussetzungen für die Ausführung dieser Tätigkeiten.

Bereits in der ersten Fassung der Norm DIN VDE 1000-10 vom Mai 1995 sind die Begriffe Elektrofachkraft, elektrotechnisch unterwiesene Person und verantwortliche Elektrofachkraft definiert.

Im Abschnitt 4 der DIN VDE 1000-10 ist nachzulesen:

Elektrofachkraft ist, wer aufgrund seiner fachlichen Ausbildung,
Kenntnisse und Erfahrungen sowie Kenntnis der einschlägigen Normen die ihr übertragenen Arbeiten beurteilen und mögliche Gefahren erkennen kann.

Elektrotechnisch unterwiesene Person ist, wer durch eine Elektrofachkraft über die ihr übertragenen Aufgaben und die möglichen Gefahren bei unsachgemäßem Verhalten unterrichtet und erforderlichenfalls angelernt sowie über die notwendigen Schutzeinrichtungen und Schutzmaßnahmen belehrt wurde.

Verantwortliche Elektrofachkraft ist, wer als Elektrofachkraft die Fach- und Aufsichtsverantwortung übernimmt und vom Unternehmer dafür beauftragt ist.“

Aufgaben der Elektrofachkraft

Der nachfolgend wiedergegebene Abschnitt 1 „Anwendungsbereich“ der Norm verdeutlicht, dass Elektrofachkräfte nicht nur handwerkliche Arbeiten vor Ort ausführen.

„Diese Norm gilt für die fachlichen Anforderungen an die im Bereich der Elektrotechnik tätigen Personen, die im Rahmen ihrer Aufgaben Tätigkeiten ausführen, die von Bedeutung für die elektrische Sicherheit sind, z.B. für das:

a) Planen, Projektieren, Konstruieren

b) Einsetzen von Arbeitskräften

  • Organisieren der Arbeiten
  • Festlegen der Arbeitsverfahren
  • Auswählen der geeigneten Arbeits- und Aufsichtkräfte
  • Bekannt geben und Erläutern der einschlägigen Sicherheitsfestlegungen
  • Hinweisen auf besondere Gefahren
  • Unterweisen über anzuwendende Schutzmaßnahmen
  • Festlegen der zu verwendenden Körperschutzmittel und Schutzvorrichtungen
  • Durchführen notwendiger Schulungsmaßnahmen
  • persönliche Schutzausrüstungen (PSA);

c) Errichten

d) Prüfen

  • Besichtigen
  • Erproben
  • Messen

e) Betreiben

  • Inbetriebsetzen
  • Betätigen (Bedienen) (ausgenommen die bestimmungsgemäße Verwendung von elektrischen Betriebsmitteln, die für Laienbenutzung vorgesehen sind)
  • Arbeiten
  • Instandhalten

f) Ändern“

Im Abschnitt 5 „Anforderungen“ wird weiterhin Folgendes festgelegt:

„5.1: Die Tätigkeiten nach Abschnitt 1 dürfen grundsätzlich nur von Elektrofachkräften selbstständig, von anderen Personen nur unter Leitung und Aufsicht von Elektrofachkräften durchgeführt werden, wobei den jeweiligen Tätigkeitsmerkmalen je nach Schwierigkeitsgrad entsprechend abgestufte Qualifikationsmerkmale zuzuordnen sind.“

Welche Ausbildung ist für Elektrofachkräfte erforderlich?

Hierzu steht in DIN VDE 1000-10 im Abschnitt 5.2:

„Die Anforderung nach der fachlichen Ausbildung für bestimmte Tätigkeiten auf dem Gebiet der Elektrotechnik ist in der Regel durch den Abschluss einer der nachstehend genannten Ausbildungsgänge des jeweiligen Arbeitsgebietes der Elektrotechnik erfüllt:

  1. Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf zum Gesellen / zur Gesellin oder zum Facharbeiter / zur Facharbeiterin,
  2. Ausbildung zum staatlich geprüften Techniker / zur staatlich geprüften Technikerin,
  3. Ausbildung zum Industriemeister / zur Industriemeisterin,
  4. Ausbildung zum Handwerksmeister / zur Handwerksmeisterin,
  5. Ausbildung zu Diplomingenieur / zur Diplomingenieurin.“

Was gilt für die verantwortliche Elektrofachkraft?

In DIN VDE 1000-10 heißt es im Abschnitt 5.3:

„Für die verantwortliche fachliche Leitung eines elektrotechnischen Betriebes oder Betriebsteiles ist eine verantwortliche Elektrofachkraft nach 4.1 erforderlich und grundsätzlich eine Ausbildung nach 5.2 b) oder 5.2 c) oder 5.2 d) oder 5.2 e) Voraussetzung.“

Dies erfüllen Techniker, Industriemeister, Handwerksmeister oder Diplomingenieure – nicht jedoch Gesellen bzw. Facharbeiter.

In Abschnitt 6 dieser Norm finden sich Aussagen zur Verantwortlichkeit.

„Die für die Einhaltung der elektrotechnischen Sicherheitsfestlegungen verantwortliche Elektrofachkraft darf, soweit hierfür nicht besondere gesetzliche Vorschriften gelten, hinsichtlich deren Einhaltung keiner Weisung von Personen, die nicht entsprechend dieser Norm als verantwortliche Elektrofachkraft gelten, unterliegen.“

Kernaussage ist also, dass für die elektrotechnische Sicherheit nur die verantwortliche Elektrofachkraft und nicht die disziplinarisch übergeordnete Person verantwortlich ist.

Was ist neu in der Fassung der DIN VDE 1000-10 vom Januar 2009?

Erfreulicherweise hat sich gegenüber der vorherigen Bestimmung nur sehr wenig geändert. Mit einigen redaktionellen Änderungen wurde die Bestimmung dem heute gängigen Normenschema angepasst. Lediglich zwei sachliche Änderungen wurden vorgenommen.

Ergänzung der regulären Ausbildungsgänge

In den Abschnitt 5.2 e wurden nun auch die Ausbildungsgänge „Bachelor“ und „Master“ aufgenommen.

Ausnahmeregelung für andere Ausbildungsgänge

Abschnitt 5.3 wurde durch folgende Anmerkung um eine Ausnahmeregelung ergänzt:

„Für andere Ausbildungsgänge ist die hierfür notwendige Qualifikation gesondert nachzuweisen.“

Zur Veranschaulichung sei folgende Situation geschildert:

Aus der Praxis kam im Laufe der Jahre immer wieder die folgende Forderung:

Einem Elektrogesellen, der schon seit Jahren in dem elektrotechnischen Betriebsteil eines Industriebetriebes tätig ist und dessen verantwortlicher Leiter, z.B. Meister (verantwortliche Elektrofachkraft), in den Ruhestand geht, sollte die Fortführung dieses elektrotechnischen Betriebsteiles gestattet sein, da er aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit im betreffenden Betrieb mit allen elektrotechnischen Einrichtungen bestens vertraut ist.

Die Entscheidung dazu kann nur durch die Betriebsleitung erfolgen – wenn nötig, kann eine verantwortliche Elektrofachkraft (z.B. Meister eines außenstehenden Elektroinstallationsbetriebes) als Berater hinzugezogen werden.

Aber auch bei einer entsprechenden fachlichen Qualifikation des Gesellen kann die Ausnahmeregelung nur für den Betriebsunterhalt gelten, nicht jedoch für Neuinstallationen. Ebenso kann diese Ausnahme nicht in Anspruch genommen werden, wenn in dem betreffenden elektrotechnischen Betriebsteil noch weitere Elektrofachkräfte tätig sind, also wenn für die Leitung eine Fach- und Führungsverantwortung erforderlich ist.

Es ist unstrittig, dass für die fachliche Leitung und Führung eines elektrotechnischen Betriebes Kenntnisse erforderlich sind, die eine Elektrofachkraft mit dem Abschluss eines Ausbildungsberufes der Elektrotechnik als Geselle / Facharbeiter oder einer entsprechenden durch langjährige Tätigkeit gleichzusetzenden Qualifikation nicht besitzt.

Autoren: Dr.-Ing. Peter Hasse, Dipl.-Ing. Walter Kathrein

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