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Änderungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG)

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Änderungen im EEG gehen auch die Elektrofachkraft was an
Änderungen im EEG gehen auch die Elektrofachkraft was an (Bildquelle: Guido Vrola/Hemera/Thinkstock)

In diesem und dem nächsten Jahr plant die Bundesregierung weitreichende Änderungen des EEG-Gesetzes aus dem Jahr 2014. Vor allem Windkraftanlagen an Land und Photovoltaikanlagen werden in Zukunft auf anderen Wegen gefördert, als ursprünglich geplant.

Die Förderung dieser Anlagen erfolgt nicht mehr auf Basis einer festgesetzten Einspeisevergütung, sondern vor allem über Ausschreibungen. Diesen Weg hat die Regierung bereits 2014 eingeschlagen und setzt ihn jetzt drastisch fort. Die Regierung gibt in Zukunft eine feste Menge an Leistung vor, die in das Stromnetz eingespeist werden darf. Damit soll eine Deckelung der mittlerweile auf 24 Milliarden Euro angestiegenen Förderkosten erreicht werden. Davon unmittelbar betroffen sind Elektrofachkräfte, die im Bereich der erneuerbaren Energien arbeiten.

Im Bereich Biomasse, Wasserkraft und Geothermie sind dagegen aktuell keine größeren Änderungen zu erwarten, zumindest nicht kurzfristig. Hier müssen sich Elektrofachkräfte also nicht umstellen. Allerdings wird es auch hier in Zukunft Änderungen geben.

Die Bundesregierung will in Zukunft den Ausbau von Windkraftanlagen an Land weniger stark fördern. Im ersten Quartal 2017 soll die Förderung von Windkraftanlagen an Land um 5 % bis 7,5 % gesenkt werden. Es ist daher zu erwarten, dass weniger Windkraftanlagen gebaut und daher auch von Elektrofachkräften gewartet oder geprüft werden müssen. Davon betroffen sind vor allem Windkraftanlagen, die in den Jahren 2017 und 2018 gebaut werden.

Unternehmen, die sich in diesem Bereich engagieren, sollten rechtzeitig Vorsorge treffen. Es gibt bereits jetzt ein Referentenentwurf zur Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG).

Schwere Zeiten für Unternehmen im Bereich der erneuerbaren Energien

Alles in allem wird durch die Änderungen im EEG schnell klar, dass vor allem kleinere Unternehmen und Anlagen eingeschränkt werden. Elektrofachkräfte in diesem Bereich müssen sich auf sinkende Budgets gefasst machen. Auch bei Windanlagen auf See (offshore) werden weitreichende Änderungen erwartet, die sich ebenfalls auf das Tätigkeitsfeld von Elektrofachkräften niederschlagen werden. Die Goldgräberstimmung bei den erneuerbaren Energien ist vorbei. Dennoch werden Elektrofachkräfte weiterhin benötigt. Allerdings gilt es auch hier Vorbereitungen zu treffen und sich den neuen Herausforderungen zu stellen.

Bereits in den EEG-Novellen von 2012 und 2014 wurde die Gesamtanzahl des geförderten Stroms stark reduziert. Mit der neuen Novelle EEG 2016 sind weitere Einschränkungen zu erwarten. Bis 2025 soll maximal 45 % des erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energien stammen. Das hat natürlich auch Auswirkung auf die Beschäftigten und Dienstleister in diesem Bereich, auch auf Elektrofachkräfte.

EEG-Reform 2016: Statt fixe Förderung erfolgen Versteigerungen

Bisher werden Anlagen auf Basis von Ökostrom über einen fest definierten Abnahmepreis unterstützt. Das will die Bundesregierung in den nächsten Jahren ändern. Bevorzugt wird derzeit ein Ausschreibemodell, über das die Förderung versteigert werden soll. Unternehmen, die den niedrigsten Preis bieten, sollen die Förderung erhalten. Hier ist zu erwarten, dass bei Wartung und Prüfung gespart wird, da Budgets durch den Preiswettbewerb zwangsläufig sinken werden.

Es ist sinnvoll schon jetzt zu planen, mit welchen Argumenten Elektrofachkräfte auch bei weniger hoch subventionierten Anlagen einsetzbar sind. Allerdings soll es für sehr kleine Anlagen unter 1 Megawatt Leistung Ausnahmen geben. In jedem Fall wird der Wettbewerb deutlich ansteigen, was auch Elektrofachkräfte in diesem Bereich unter Druck setzen wird, auch hinsichtlich der Prüfungen über Elektrothermografie.

Fristen beachten bei Windenergie

Abb. 1: Elektrofachkräfte müssen bei der Planung von Windparks eingebunden werden (Bildquelle: agafapaperiapunta/iStock/Thinkstock)

Elektrofachkräfte müssen bei der Planung von Windparks eingebunden werden

Die Bundesregierung plant die Zuschlagserteilung einer Ausschreibung nach etwa 30 Monaten durchzuführen. Zusätzlich wird eine finanzielle Sicherheit in Höhe von 30 Euro pro Kilowatt installierter Leistung verlangt. Allerdings können Bieter auch den Klageweg beschreiten und damit die Fristen deutlich verlängern. Es ist auch geplant, für Bürgerenergiegesellschaften erleichterte Bedingungen zu schaffen. Hier sind zum Beispiel nur 15 Euro finanzielle Sicherheit notwendig. Durch die Senkung der Förderungen, auch bereits im EEG 2014, geraten vor allem kleinere Anlagen im ländlichen Bereich stark unter Druck. Elektrofachkräfte, die in diesem Bereich arbeiten, müssen sich auf finanzielle Einschränkungen bei der Budgetplanung vorbereiten.

Für Windparks auf See soll das Modell etwas anders gestaltet werden. Hier erfolgt eine zentrale Ausschreibung für mehrere Windparks pro Jahr für eine bestimmte Fläche. Allerdings ist hier eine noch nicht genau definierte Übergangszeit geplant. Im Gespräch sind Anlagen, die bis 2018 gebaut werden. In dieser Zeit ist zu erwarten, dass vor allem Elektrofachkräfte mehr zu tun haben werden, da bei Ende dieser Übergangszeit die Ausschreibung erfolgt.

Im Bereich der Planung werden Elektrofachkräfte ebenfalls einbezogen, denn bei der Ausschreibung spielt auch die Planung der zukünftigen Leistung des Windparks eine Rolle. Allerdings sind diese Zahlen nur theoretisch feststellbar. Denn wieviel Strom eine Windanlage nach dem Bau tatsächlich produziert, hängt vom technischen Fortschritt und dem Wetter ab. Alles in allem spielen die Leistungen von Anlagen eine immer größere Rolle.

Für Windparks, deren Planung bereits weit fortgeschritten ist, plant die Bundesregierung eine gesonderte Ausschreibung. Hier ist also zu erwarten, dass die Planung der Windparks deutlich anziehen wird, was Elektrofachkräfte in Zukunft sicherlich stärker unter Druck setzen wird. Hier sind in Zukunft sicher schnelle und effiziente Planungen und Umsetzungen gefordert, die den gesetzlichen Rahmen ausschöpfen, aber gleichzeitig konkurrenzfähig sein müssen. Vor allem im Bereich der Planung wird es bei Windparks komplizierter.

Photovoltaik, Biomasse, Wasserkraft und Geothermie

Abb. 2: Ausschreibungsmodell auch für Photovoltaikanlagen (Bildquelle: Tudor Stanica/Hemera/Thinkstock)

Ausschreibungsmodell auch für Photovoltaikanlagen

Das Ausschreibungsmodell wird auch für Photovoltaikanlagen ausgedehnt. Photovoltaikanlagen auf bauliche Anlagen wie Deponien und versiegelte Flächen sowie auf Gebäuden sollen an Ausschreibungen teilnehmen. Auch hier sollen kleine Anlagen ausgenommen werden, die weniger als 1 Megawatt Leistung produzieren. Diese kleinen Anlagen arbeiten weiter unter der Regelung des EEG 2014, inklusive der Deckelung. Hier ist allerdings das letzte Wort noch nicht gesprochen. Die Grenzen für kleine Anlagen sollen zwar bei 1 Megawatt Leistung verbleiben, die jährliche Auktionsmenge für Solar-Großanlagen soll bei 500 bis 600 Megawatt liegen. Generell ist zu erwarten, dass in Zukunft vor allem die Photovoltaik deutlich eingegrenzt werden , da hier bereits mehr Anlagen in Betrieb sind, als ursprünglich gewollt.

Für Elektrofachkräfte, die mit Biogasanlagen arbeiten, sind derzeit keine Änderungen zu erwarten. Hier sollen die bestehenden Änderungen des EEG 2014 aktiv bleiben. Allerdings ist Biomasse kein bevorzugter Bereich im EEG. Hier sind in Zukunft also durchaus Einschränkungen zu erwarten. Vor allem bei Anlagen deren Förderung nach 20 Jahren ausgelaufen ist, kann aktuell noch nicht sicher mit einer Anschlussförderung gerechnet werden. Im Nachgang zum EEG 2016 wird darüber hinaus erwartet, dass auch hier Ausschreibungen erfolgen werden.

Auch bei Wasserkraftanlagen sollen keine Ausschreibungen erfolgen. Hier will die Regierung vor allem bestehende Anlagen modernisieren und erweitern lassen. Da in diesem Bereich kein Wettbewerb zu erwarten ist, sollen die Regelungen des EEG 2014 weiter auch in diesem Bereich ihre Gültigkeit behalten. Geothermieanlagen sind wegen Ihrer geringen Anzahl ebenfalls nicht im Fokus der geplanten Änderungen. Auch hier bleiben die Regelungen von EEG 2014 weiter aktiv.

Fazit

Das EEG 2016 bedeutet vor allem Vorteile für große Unternehmen. Kleine Anlagen und Bürgerinitiativen haben das Nachsehen. Elektrofachkräfte werden in Zukunft also sicherlich bei großen Unternehmen, vor allem für Offshore-Windparks, benötigt. Im Gegensatz zur ursprünglichen Planung des EEG werden nicht mehr alle erneuerbaren Energien unterstützt, sondern vor allem Windparks und Photovoltaik. Aber auch hier werden die Förderungen stark eingeschränkt und deutlich auf Großkonzerne zugeschnitten. In den Ausschreibungen gewinnen die günstigsten Anbieter. Das können in den meisten Fällen nur die größeren Unternehmen finanzieren.

Im aktuellen EEG liegen aber auch sehr viele Unsicherheiten. Sinkt der Stromverbrauch merklich, oder bleiben ältere Anlagen länger im Betrieb als im EEG angenommen, kann sich der Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtstrommarkt von geplanten 25 % auf bis zu 50 % ausweiten. Die nächsten Jahre bleiben also auch für Elektrofachkräfte spannend.

Autor: Thomas Joos

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