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Durchführung von Prüfungen durch Auszubildende

Dürfen Auszubildende Prüfungen an elektrischen Arbeitsmitteln durchführen?
(Bildquelle: AndreyPopov/iStock/Thinkstock)

29.10.2014
Frage aus der Praxis

Darf ein auszubildender Elektroniker nach Abschluss der Teil-1-Prüfung, wiederkehrende Prüfungen an ortsveränderlichen elektrischen Arbeitsmitteln durchführen?

Antwort des Experten

Dipl.-Wirtsch.-Ing. (FH) Markus Klar, LL.B.

Der Auszubildende hat einen besonderen Arbeitnehmerstatus.

Nach § 1 Berufsbildungsgesetz (BBiG) wird er zu seiner Berufsausbildung beschäftigt, die zur Vermittlung von Grundlagen für den Erwerb beruflicher Handlungsfähigkeit dient. Im Rahmen dieser Berufsausbildung spricht unter Beachtung des § 14 Abs. 1 BBiG nichts dagegen, wenn der Auszubildende Prüftätigkeiten ausführt, sofern diese zum Berufsbild gehören und dem Ausbildungszweck dienen.

Prüfungen müssen von einer EFK durchgeführt werden.

Prüfungen sind jedoch durch Elektrofachkräfte (DGUV-Vorschrift 3/BGV A3) bzw. befähigte Personen (BetrSichV) durchzuführen. Der Auszubildende ist allerdings weder Elektrofachkraft noch befähigte Person. Je nach erworbenen Kenntnisstand kann er vielleicht als elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP) im Sinne des Kap. 3.2.4 der DIN VDE 0105-100 bzw. Kap. 3.3 der DIN VDE 1000-10 angesehen werden. Insoweit kann auf die Ausführungen im Kapitel 4 der DGUV-Information 203-071 (BGI 5190) verwiesen werden.

Bewertung der Prüfergebnisse durch die befähigte Person.

Die nach TRBS 1201 notwendige Bewertung des Prüfergebnisses obliegt immer einer befähigten Person. Zur befähigten Person gehören nach Kap. 3.3 der TRBS 1203

  • eine abgeschlossene elektrotechnische Berufsausbildung,
  • eine mindestens einjährige Berufserfahrung bei der Instandhaltung elektrischer Arbeitsmittel sowie
  • eine zeitnahe berufliche Tätigkeit.

Beim auszubildenden Elektroniker mangelt es hier bereits an der abgeschlossenen elektrotechnischen Berufsausbildung.

Betrachtet man weiterhin die nach § 2 Ab. 7 BetrSichV erforderliche Weisungsfreistellung, so wird klar, dass man eine solche einem Auszubildenden nicht aussprechen kann. Der Auszubildende soll Fehler machen dürfen, daraus lernen und muss zu diesem Zweck Hinweise des Ausbilders entgegennehmen. Die Weisungsfreistellung widerspricht damit auch nach § 13 Satz 2 Nr. 3 BBiG dem Wesen und Kern des Berufsausbildungsverhältnisses.

Hinsichtlich der Durchführung von Prüfungen sollte beachtet werden, dass diese keine lästige Pflicht darstellen (sollten), die man demjenigen zuweist, der gerade nichts anderes zu tun hat. Prüfungen sind das elementare Mittel zur Gewährleistung einer hohen Sicherheit der den Arbeitnehmern überlassenen Arbeitsmittel und diese Gewährleistung ist nach §§ 3 Abs. 1 Satz, 4 Nr. 1 ArbSchG sowie § 4 BetrSichV eine bedeutende Arbeitgeberpflicht. Also sollte nur der am besten geeignete Prüfer solche Prüfungen durchführen.

Das Prüfen im Prüfteam ist möglich.

Der Auszubildende kann aber durchaus unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft bzw. befähigten Person Prüftätigkeiten z.B. in einem Prüfteam ausführen. Dies beinhaltet auch gern die Durchführung von Prüfungen, wenn jedoch eine Elektrofachkraft diese begleitet und auch als befähigte Person die Verantwortung für das Prüfergebnis übernimmt – es also mit unterzeichnet. Mit dem alleinigen Prüfen der Arbeitsmittel durch Auszubildende wird man als Arbeitgeber seiner Verpflichtung aus ArbSchG und BetrSichV mit der gebotenen Sorgfalt nicht erfüllen können.

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Kommentare

Kommentar von Walter Einster |

bei mir prüfen die Azubis immer im Team mit, funktioniert prima.

Kommentar von Manfred Schmid |

Prüfen die Azubis im Team mit einer EFK und ist diese immer mit anwesend?? oder nur im "Azubiteam" und die EFK ist im "Umfeld" zu finden ??

Kommentar von Azubi |

Hallo Herr Schmid,
wie ist es rechtlich geregelt, wenn man als Auszubildender die Prüfprotokolle (nach DGUV V3) unterschreibt und später einmal ein Schaden eintritt? Ist man dann als Auszubildender haftbar?

Kommentar von Azubi |

Hallo Herr Schmidt, macht sich ein Azubi rechtlich angreifbar/haftbar, wenn er auf Anweisung des Arbeitgebers die Prüfprotokolle (für ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel) unterschreibt?

Kommentar von Manfred Schmid |

Hallo Azubi,
diese Frage trifft genau den Kern des Themas, deren Beantwortung ebenso noch
aussteht.

Kommentar von Azubi |

Heißt das, dass es hierzu noch keinen Fall gab und es noch keine Gesetze diesbezüglich gibt?

Antwort von Christina Wernicke

Vielen Dank für Ihre Fragen. Wir haben unseren Autor darum gebeten, dieses Thema in einem Beitrag näher zu erörtern.

Er wird sich zeitnah darum kümmern.

Kommentar von Fuchs |

Da, wie hier geschrieben wurde, der Azubi als EuP in einem Prüfteam auftritt, zusammen mit einer befähigten Person (bP) selbstverständlich, welche immer die Kontrollpflicht UND Bewertungspflicht der Messergebnisse hat,
ist eines meiner Meinung nach sehr offensichtlich:

Die einzig berechtigte "Instanz" ein Arbeitsmittel erfolgreich eine Prüfung bestehen zu lassen, ist die befähigte Person. Grenzwerte, welche rechtlich noch im "vermeindlich zulässigen" Rahmen sind, die z.B. von einem Messgerät durch gewunken werden und das Endergbnis: "keine Mängel" anzeigt, würden von einer EuP(Azubi in diesem Beispiel) als faktisch rechtssicher und elektrotechnisch demnach korrekt "bewertet" werden.
- Nebenbei bemerkt, glauben das auch die meisten, die da draussen eigenverantwortlich prüfen, ohne es zu dürfen.

Achtung suggestiv Frage: Wenn ein Messgerät über negatives Messergebnis und positives Messergebnis bewerten könnte, wofür wäre dann die befähigte Person da? - Um den Schutzleiterwiderstand zu Messen? - Wohl eher nicht, oder?

<=0,3 Ohm Grenzwert..... - 0,29 Ergebnis - BESTANDEN?
Sollte eine wohlüberlegte Entscheidung sein, ob dieses Gerät in 1 Monat GARANTIERT betriebssicher zu gebrauchen ist?

- Kurz um, die einzige Person, die zur Verantwortung gezogen wird, im rechtlichen Sinne, ist die befähigte Person, niemals ein Messgerät, noch eine EuP, ebenso wenig der Azubi, welcher im Prüfteam mitprüft, auch wenn der Azubi unterschreibt, wäre durch das Prüfteam immer klar, wer den Hut auf hat.

Hoffe, dass dies hilfreich war.

Kommentar von Manfred Schmid |

Zitat: Beim auszubildenden Elektroniker mangelt es hier bereits an der abgeschlossenen elektrotechnischen Berufsausbildung.
Ebenso an der "Weisungsfreiheit des zur Prüfung beauftragten "

Insofern ist es m.E. den Azubi prüfen zu lassen und quasi per Unterschrift von einer Verantwortung -die er per se nicht tragen kann- zu entbinden, nicht möglich.

Oder um es deutlich zu sagen:

Prüfungen sind nur von fertig ausgebildeten , erfahrenen, usw. Elektrofachkräften durchführbar.

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