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Dokumentation der Erstprüfung

Dokumentation der Erstprüfung
(Bildquelle: AndreyPopov/iStock/Thinkstock)

11.11.2016
Frage aus der Praxis

Muss der Hersteller einer Maschine das Prüf- und Messprotokoll der Erstprüfung aushändigen?

Antwort des Experten

Autor: Dipl.-Ing. Sven Ritterbusch

Es muss ein Prüfprotokoll der elektrischen Ausrüstung von Maschinen vorhanden sein. Der Umfang der Mess- und Prüfdaten ist nicht immer vorgegeben, sollte sich aber am Inhalt der VDE 0113-1 "Sicherheit von Maschinen - Elektrische Ausrüstung von Maschinen Teil 1: Allgemeine Anforderungen" orientieren.

01.12.2016: Nachtrag zur Antwort

Von allen Elektrofachkräften wird akzeptiert, dass bei einer Errichtung einer elektrischen Anlage die VDE 0100-600 zur Anwendung kommt. Als Nachweis der durchgeführten Prüfung nach VDE 0100-600 gilt das Prüfprotokoll, das dem Auftraggeber ausgehändigt wird.

Für den Nachweis eines ordnungsgemäßen Zustands der elektrischen Ausrüstung einer Maschine gilt der gleiche Grundsatz. Die Norm VDE 0113-1 ist nur auf ihren Geltungsbereich anzuwenden (siehe Abschn. 1 Anwendungsbereich).

Wer die Norm DIN EN 60204-1(VDE 0113-1):2007-06 anwendet, muss den Abschnitt 18 „Prüfungen“ auch umsetzen. Eine genaue Eingrenzung der erforderlichen Mess- und Prüfdaten ist durch den Verweis auf andere Produktnormen im Abschn. 18.1 der VDE 0113-1 nicht möglich.

Bei der Überprüfung der Bedingungen zum Schutz durch automatische Abschaltung der Versorgung ist der Abschn. 18.2 der VDE 0113-1 zu beachten. Wird die elektrische Ausrüstung von Maschinen an TT- oder IT-Systemen angeschlossen, so sind die Prüfmethoden der Norm IEC 60364-6-61 anzuwenden. D.h. es sind die Prüfmethoden der VDE 0100-600 anzuwenden. Bei den Prüfmethoden im TN-Systemen (VDE 0113-1 Abschn. 18.2.2) gibt es Abweichungen, die in der Tabelle 9 aufgeführt sind.

Abgesehen von den Regeln zum Inverkehrbringen von Maschinen, sollte der Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Verwendung von Arbeitsmitteln (Betriebssicherheitsverordnung – BetrSichV) mehr Beachtung geschenkt werden. Im Hinblick auf § 4 Abs. 1 Unterpunkt 3 ist die sichere Verwendung der Arbeitsmittel nach dem Stand der Technik festzustellen. Diese kann nur mittels technischer Unterlagen und Prüfnachweise nachvollzogen werden. Des Weiteren müssen § 4 Abs. 5 Satz 1 BetrSichV (Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen) und § 3 Abs. 6 BetrSichV (Ermittlung von Art, Umfang und Frist der Prüfungen sowie Festlegungen zur Prüfung befähigten Person) umgesetzt werden.

Werden bestimmte (Erst-)Prüfnachweise vom Errichter nicht erbracht, dann muss der Arbeitgeber des Benutzers (Auftraggeber) Prüfungen zum Nachweis der Sicherheit selbst durchführen oder durchführen lassen.

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Kommentare

Kommentar von Pohl |

Das Prüf- und Messprotokoll Muss dem Besteller nicht ausgehändigt werden wenn er dieses nicht explizit bestellt hat.

Kommentar von T. Schneider |

Herr Pohl, das ist so nicht ganz richtig. Der Kunde kann das Protokoll auch noch mehrere Jahre später anfordern. Der Hersteller muss es dann in angemessener Zeit aushändigen können.

Kommentar von Kay Volmer |

Sämtliche Dokumentationen sind dem Kunden im Rahmen der Produkthaftung zu übergeben. Insbesonders die der elektrotechnischen Sicherheit einer Anlage. Hier kommt ein Augenmerk auf die Widerholungsprüfungen. Wenn nicht expliziit beschreiben ist nach welcher Norm die Anlage errichtet wurde kann die Anlage nicht erneut geprüft werden. Die Praxis spricht ein anders Bild , aber Rechtssicher ist das nicht. Meine Mitarbeiter prüfen keinen Unbekannte Anlage ohne die dafür erforderlichen Unterlagen und Bestätigung der Errichtungsnorm.

Kommentar von Bierwirth |

Woher leiten Sie, Herr Schneider dieses ab. In der deutschen Umsetzung der EN 60204-1 (der VDE 0113-1) ist mir solches nicht bekannt.

Kommentar von M.Seider |

Soweit ich informiert bin, sind die Prüfprotokolle der Erstinbetriebnahme sowie die der wiederkehrenden Prüfungen dem Betreiber auszuhändigen. Die darin enthaltenen Messergebnisse dienen als Basis für alle weiteren Prüfungen, damit die Elektrofachkraft bzw. die befähigte Person die Messergebnisse und den Anlagenzustand korrekt interpretieren kann. Messwerte können noch innerhalb der Vorgaben liegen, aber sich im Laufe der Zeit gravierend verschlechtert haben. Unter Umständen ergibt sich somit auch auch bei "bestandener" Prüfung Handlungsbedarf.

Kommentar von Thomas Koch |

Da hier von einer "Maschine" gesprochen wurde greift die Maschinenrichtlinie. Falls keine übergeordneten Normen zutreffen wird wiederum auf EN60204-1 verwiesen, Kap.18 Prüfung.(VDE0113)
Außerdem muss der Hersteller sofern er in der EU tätig ist und mit seiner Maschine handelt das CE-Konformitätsverfahren anwenden. Das bedeutet das er alle relevanten Dokumente erstellen, und diese auf "verlangen" vorzeigen können muss. Aus Eigenschutz wäre es überdies Sinnvoll sich daran zu halten, falls auf Grund von Unfällen die BG oder Marktüberwachungsbehörde danach fragt !

Kommentar von M. Lotz |

Nach welcher Norm bzw. nach welchem Gesetz ist der Lieferant zur Herausgabe der Erstprüfungsprotokolle verpflichtet?

Kommentar von Polner |

Eigentlich stellt sich diese Frage in einem Fachbetrieb natürlich nicht. Wer gute Arbeit leistet, der müsste auch bedenkenlos das Prüfprotokoll aushändigen können. Dies gehört bei einer bei einer Erstinbetriebnahme logischerweise dazugehört. Es soll ja leider Unternehmer geben, die nichts mehr von Service für den Kunden halten. "Der Kunde ist König" heißt heute nur noch "Der Kunde war damals König", heute zählen nur noch andere Werte. Allerdings fehlt mir bei Ihrer Antwort leider der rechtliche Hintergrund auf dem ihr erster Satz beruht. Wenn ich zum nächsten Auftragnehmer sage "es muss ein Prüfprotokoll vorhanden sein", dann sehe ich jetzt schon den nächsten armen Ritter ohne Rüstung vor mir stehen, der mich dann fragt "Und wo steht das?"...

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