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Die Elektrofachkraft als Ersthelfer

Erste-Hilfe-Unterweisung für die EFK
Erste-Hilfe-Unterweisung für die EFK

03.06.2014
Frage aus der Praxis

Auf einem Weiterbildungsseminar zur verantwortlichen Elektrofachkraft (VEFK) wurde uns gesagt, dass eine Elektrofachkraft zwingend auch Ersthelfer sein muss. Leider finde ich dazu keine passenden Regeln.
Meine Frage daher: Stimmt dies und wenn ja, wo steht es?

Antwort des Experten

Sven Ritterbusch

Arbeitet oder möchte eine Elektrofachkraft (EFK) mit der Arbeitsmethode "Arbeiten unter Spannung" (AuS) arbeiten, muss sie Ersthelfer sein.

Ohne diese Arbeitsmethode hat eine Unterweisung in lebensrettenden Soforthilfemaßnahmen (LSM mit HLW) zu erfolgen (in Kraft gesetzt durch Anhang 3 DGUV Vorschrift 3 mit dem Verweis auf die VDE 0105-100).

Erläuterung:

Im Grunde genommen wirken gleich mehrere Quellen. Aus meiner Sicht müssen alle Elektrofachkräfte mindestens in "Lebensrettende Soforthilfemaßnahmen" (LSM) geschult/unterwiesen sein.

VDE 0105-100 Betrieb von elektrischen Anlagen

Nach der Normung ist im Abschnitt 4.3 "Organisation" der VDE 0105-100:2009-10 eine kleine Aussage zu finden.

"Von den an, mit oder in der Nähe von elektrischen Anlagen arbeitenden Personen muss eine ausreichende Anzahl so ausgebildet und unterwiesen sein, dass ... entsprechend Erste Hilfe leisten können."

Das heißt nicht, dass es zwingend ein "betrieblicher Ersthelfer" (nach BGV A1 - EHA, wiederholend EHT) sein muss.

Bei der Durchführung von "Arbeiten unter Spannung" wird im Abschn. 6.3.2.101 "Voraussetzung für die Ausbildung" der VDE 0105-100:2009-10 die Erste-Hilfe-Ausbildung gefordert (also betrieblicher Ersthelfer, EHL 24-h-Kurs, alle zwei bis drei Jahre mit EHT 16-h-Kurs wiederholen).

Auch die Weiterbildung ist in Abschn. 6.3.3 der VDE 0105-100:2009-10 geregelt. Hier heißt es, dass spätestens alle vier Jahre, die Fähigkeiten zum sicheren Arbeiten unter Spannung durch Praxis oder durch erneute Schulung erneuert werden müssen.

"Zum Erhalt der fachlichen Befähigung zum Arbeiten unter Spannung gehört auch die Fortbildung in der Ersten Hilfe und das regelmäßige Training in der Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW)."

Nach § 10 Arbeitsschutzgesetz und § 24-26 der DGUV Vorschrift A1 (BGV A1) hat der Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass an jeder Arbeitsstelle eine ausgebildete Person mit Kenntnissen über die Erste-Hilfe-Maßnahmen zur Verfügung steht. Die dabei auftretenden Schwierigkeiten bei kleinen Montagestellen/Baustellen mit zwei bis drei Mitarbeitern werden dabei nicht berücksichtigt (theoretisch an jeder Arbeitsstelle: ein Brandschutzhelfer, ein Ersthelfer, ein Sicherheitsbeauftragter).

Stufen der Erste-Hilfe-Ausbildung

  • LSM: Lebensrettende Soforthilfemaßnahmen 4 Doppelstunden (8 Unterrichtseinheiten)
  • EHL: Erste-Hilfe-Lehrgang 8 Doppelstunden (16 Unterrichtseinheiten)
  • EHT: Erste-Hilfe-Training 4 Doppelstunden (8 Unterrichtseinheiten, Voraussetzung EHL oder EHT nicht länger als drei Jahre)
  • SAN A: Sanitätshelfer 12 Doppelstunden (24 Unterrichtseinheiten, Voraussetzung gültiger Nachweis EHL oder EHT)
  • SAN B: Sanitäter 12 Doppelstunden (24 Unterrichtseinheiten, Voraussetzung gültiger Nachweis SAN A)
  • Rettungssanitäter 160 Unterrichtseinheiten Grundlehrgang und 320 Praxiseinheiten
Eine Doppelstunde bezieht sich auf 2 x 45 Minuten (2 Unterrichtseinheiten).
Diese Qualifikationsstufen wurden in einer Vereinbarung der fünf Rettungshilfsorganisationen getroffen. Der Inhalt dieser Vereinbarung musste jede Organisation für sich in ihre Ausbildungsrichtlinien übernehmen.
 
Die DGUV hat über die „Qualitätssicherungsstelle Erste Hilfe“ folgende Stufen festgelegt:
1. Betrieblicher Erstelfer
  • Erste-Hilfe-Lehrgang mit 8 Doppelstunden (16 Unterrichtseinheiten)
  • Erste-Hilfe-Training mit 4 Doppelstunden (8 Unterrichtseinheiten, Voraussetzung EHL oder EHT nicht älter als 2 Jahre)
2. Betriebssanitäter
  • mit 63-stündigen Grundlehrgang und 32-stündigen Aufbaulehrgang
  • Fortbildung mit 16 Unterrichtseinheiten (innerhalb von 3 Jahren)
Eine reine „Unterweisung in Erste Hilfe“ nach DGUV ist aus meiner Sicht für Elektrofachkräfte nicht ausreichend, weil die Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) fehlt.
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Kommentare

Kommentar von Julian Knepf |

gute Zusammenfassung

Kommentar von Michael Büch |

Sehr geehrter H. Ritterbusch,
laut DGUV und EH Organisationen sind mir ndere Zeiten für die EHA/EHL und EHT bekannt. Sie geben hier die doppelten Zeiten an?! Auch die für den Sanitäter? Wo finden Sie diese?

Antwort von Christina Wernicke

Hallo Herr Büch,

vielen Dank für Ihren Kommentar. Der Beitrag wurde von unserem Autor bezugnehmend auf Ihre Anmerkungen überarbeitet.

Christina Wernicke

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