Wenn Übereifer zur Gefahr wird

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Übereifer kann gefährlich werden.
Übereifer kann gefährlich werden. (Bildquelle: EKH-Pictures/iStock/Getty Images Plus)

Jeder Arbeitgeber wünscht sich engagierte Mitarbeiter. Auch dein Chef wird sich freuen, wenn du Interesse an deiner Arbeitsumgebung zeigst und eigenständig bemerkst, was im Betrieb zu tun ist. Dabei musst du aber stets deine Grenzen beachten und darfst dir nicht einfach selbst eine beliebige Aufgabe suchen. Wie schnell auch ein gut gemeintes Engagement hochgefährlich werden kann, musste ein Auszubildender zum Elektroniker schmerzhaft erfahren.

Was ist passiert?

Was ist passiert?

Es geschah an einem Freitag. Der Auszubildende hatte wieder einmal den Auftrag erhalten, die Werkstatt aufzuräumen. Damit war er schnell fertig und suchte daher eine neue Beschäftigung. Beim Aufräumen war ihm unter einer Werkbank eine Kiste mit Elektrowerkzeugen aufgefallen. Es handelte sich um Geräte, die von den Kollegen aufgrund irgendwelcher Defekte aussortiert und in dieser Kiste gesammelt worden waren.

Der Auszubildende beschloss, sich die Elektrogeräte genauer anzuschauen in der Hoffnung, vielleicht das eine oder andere reparieren zu können. Doch als er einen Winkelschleifer untersuchte, erhielt er nach Einschalten des Geräts plötzlich einen heftigen Stromschlag, eine sog. elektrische Körperdurchströmung. Er wurde sofort per Rettungswagen in die Klinik eingeliefert. Doch er hatte Glück und konnte das Krankenhaus nach zwei Tagen ohne bleibende Gesundheitsschäden verlassen.

Was ist hier schiefgelaufen?

Was ist hier schiefgelaufen?

Bei der Unfalluntersuchung stellte sich heraus, dass die Anschlussleitung des Winkelschleifers an einer Stelle durchgescheuert war. Vermutlich war dies auch der Grund dafür, dass jemand das Gerät aussortiert hatte. Der Auszubildender hatte diese schadhafte Stelle nicht sofort bemerkt. Beim Einschalten kam die blanke Leitung mit dem Metallgehäuse des Winkelschleifers in Kontakt und schon war es passiert.

Bei diesem Unfall greifen zwei Fehler ineinander:

  1. Der Auszubildende hätte sich nicht ohne Auftrag seines Vorgesetzten an den Elektrogeräten zu schaffen machen dürfen. Auch wenn er es gut gemeint hatte, ist dies kein Grund dafür, sich eigenständig an der Reparatur kaputter Elektrowerkzeuge zu versuchen. Nur wer dazu qualifiziert und beauftragt ist, darf Elektrogeräte reparieren.
  2. Seine Kollegen haben zwar insofern richtig gehandelt, dass sie Elektrogeräte mit einem Defekt aussortiert haben. ABER: Sie hätten diese Geräte deutlich als „DEFEKT“ kennzeichnen müssen und bis zur Reparatur (oder Entsorgung) wegschließen müssen.

Unterm Strich waren sich offenbar alle Beteiligten der Gefährdung nicht bewusst, die von defekten Elektrogeräten ausgehen kann. Daher wurde der betroffene Betrieb vom technischen Aufsichtsbeamten der Berufsgenossenschaft angewiesen, diesen Vorfall mit allen Mitarbeitern zu besprechen und das Thema bei den Sicherheitsunterweisungen zu berücksichtigen.

So machst du es besser!

So machst du es besser

Finger weg von Elektrogeräten mit Defekten, Beschädigungen, seltsamen Geräuschen, …!

Bei allen Elektrogeräten und handgeführten Maschinen kann es im Lauf der Zeit – je nach Nutzung und Einsatzbedingungen – zu Defekten, Beschädigungen, Verschleiß usw. kommen. Einige dieser Mängel wie Brüche am Gehäuse oder abgeknickte Zuleitungen sind schnell erkennbar. Andere machen sich erst bemerkbar, wenn das Gerät nicht mehr so funktioniert, wie es soll. In jedem Fall bedeutet dies, dass du mit diesem Gerät nicht mehr weiterarbeiten darfst. Das gilt auch, wenn du mit bloßem Auge keinen Schaden erkennst, ein Elektrogerät aber beim Einsatz verschmort riecht oder plötzlich ungewohnte Geräusche von sich gibt.

Wende dich in einem solchen Fall stets an deinen Vorgesetzten. Ein Fachmann muss entscheiden, ob das Gerät repariert werden kann, ob es gereinigt werden muss, ob beschädigte Teile ausgetauscht werden können usw. Ein solches Gerät darf erst dann wieder benutzt werden, wenn es nach einer Elektroprüfung freigegeben wurde. Solche Prüfungen wirst du später als Elektrofachkraft vielleicht häufig durchführen. Als Auszubildender darfst du jedoch auf keinen Fall irgendwelche Reparaturversuche eigenständig unternehmen.

  • Autor:

    Dr. Friedhelm Kring

    freier Lektor und Redakteur

    Kring, Friedhelm

    Dr. Friedhelm Kring ist freier Lektor, Redakteur und Fachjournalist mit den Schwerpunkten Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz.

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