Hausrenovierungen decken einiges auf

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Boris D. 3.9 0 5 9
Verteilerdose, die zwei Steckdosen versorgt Lila Kabel? Da weiß kein Mensch woher und wohin. Bastel einen Schutzkontakt 2-adrige Verkabelung Eine sichere Verbindung? Erdung von PVC-Rohren

"Mit Interesse verfolge ich Eure Infos und grusel mich bei manchen der Bilder des "Albtraums". So ähnlich ergeht es mir momentan bei der Renovierung unseres Hauses, Baujahr 1959. Irgendjemand mit zumindest grundlegenden elektrotechnischen Kenntnissen hat die Verkabelung und Absicherung Mitte der 70'er Jahre "erneuert". Dabei liegen immer (!!) mindestens drei Räume mit ALLEN (!!!) Verbrauchern und Steckdosen an einer einzigen 16A-Sicherung mit 2-adriger Verkabelung, geschirmt jeweils nur mit dem Adernschirm. Bedeutet also z.B. Küche, Esszimmer und Wohnzimmer sind im Falle eines Falles tot! Zumindest werden sicherlich die Wände im Bereich der Kabelführungen warm. Da wir beim Einzug nicht genügend Mittel hatten, um die Verkabelung auch noch zu erneuern machen wir das nun nach und nach, wenn wir einen Raum Grundsanieren. Anbei ein paar Impressionen aus dem Gästezimmer.

Foto 1: Verteilerdose, versorgt 2 Steckdosen, eine Lampe und eine unbekannte Stelle im Haus. Das blaue Kabel kommt von ??? und geht nach ???

Foto 2: Lila Kabel? Da weiß kein Mensch woher und wohin. Ach ja, das ist die Zentralstelle des Gästezimmers, da hängen ALLE Verbraucher dieses Zimmers dran. Da erkennt man auch das blaue Kabel wieder. Das rote schaltet die Deckenleuchte (Farbe ändert sich ab der nächsten Dose in beige, warum auch immer) Hinweis: Ich habe schon grün-gelbe Kabel entdeckt, auf denen Phase liegt, also wundert mich so langsam gar nichts mehr.

Foto 3: Hast Du keinen Schutzkontakt? Dann bastel Dir einen. Gruselig!

Foto 4: Grundsätzlich 2-adrige Verkabelung. Schutzleiter? Wozu das denn?

Foto 5: Am Wochenende waren wir zu Besuch bei einem Bekannten, der uns ganz stolz seine neue Sauna im Keller zeigen musste. Das Einzige, was noch fehlt, sei der Starkstromanschluss – meinte er. Meiner Meinung nach fehlt hier vor allem das grundlegende Verständnis für die Gefahren durch elektrischen Strom :-)

Info: Das graue Kabel führt zur Innenbeleuchtung der Sauna (220V / 40W-Leuchte), das schwarze ist ein Anschlusskabel von einem Radio. Die „sichere“ Verbindung ist realisiert durch die Adernendhülsen, die grade so in die Buchse passen.

Foto 6: Ich bin zwar nicht direkt in der Elektrotechnik unterwegs, jedoch führt mich mein Weg als befähigte Person gem. BetrSichV bei der Prüfung von elektrostatischen Lackieranlagen zu den unterschiedlichsten Betreibern. So erlebe ich immer wieder Dinge, die einem die Haare zu Berge stehen lassen (teilweise im wahrsten Sinne des Wortes), manchmal jedoch auch Sachen, die einen zum Schmunzeln bringen.

So auch vor einiger Zeit bei einem Kunden, bei dem ich zwangsläufig eine längere Wartezeit in Kauf nehmen musste. Die Wartezeit nutzte ich, um die Ordnungsprüfungen außerhalb der Kabinen zu erledigen und um einen Gesamteindruck der zu prüfenden Anlagen zu erhalten. Das beiliegende Foto machte ich an einem Schaltschrank außerhalb einer Lackierkabine im Reinraumbereich (Keine EX-Zone. Und ja, ich hatte eine Fotografiererlaubnis).

Hier sieht man schön die vorbildliche Erdung von Rohren zur Kabelführung mittels Erdungsschellen, Kabelquerschnitt des Erdkabels mehr als ausreichend für die zu erwartenden Ströme, das andere Ende des Kabels perfekt an eine Potentialausgleichsschiene angeschlossen. Stellt sich für mich nur die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Erdung von PVC-Rohren ;-)"

Boris D., besten Dank für die vielen spannenden Fotos und die tollen und ausführlichen Beschreibungen dazu.

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Kommentare

Kommentar von F.B |

nur zur Info an Boris D: früher war der schutzleiter nicht vorgeschrieben, und wer des öfteren Altbauten überprüft wird feststellen, daß es einzeldrähte in leerrohre verlegt genauso gut sind wie nym- Leitungen und soweit ich weiß auch noch heute zulässig sind.

Kommentar von Dirk Rehlinghaus |

Hallo Boris,

zu den grundlegenden Elektrokenntnissen gehört auch das Wissen, dass "damals" eine solche Elektroinstallation üblich war. Es gab ja auch kaum nennenswerte elektrische Verbraucher wie heute (ausser Nachtspreicherofen). Da kann es durchaus vollkommen ausreichend gewesen sein, 3 Räume zusammen abzusichern. Für heutige Anforderungen ist das selbstverständlich absolut nicht ausreichend. Die Steckdose ist ebenfalls für die damalige Zeit korrekt angeschlossen. Bei der 2 Draht Verdrahtung, der klassischen Nullung, ist das so richtig. Sollte heute eine Steckdose nachgerüstet werden, MUSS diese über einen RCD abgesichert sein. Da reichen dann selbstverständlich 2 Drähte nicht aus. Auch gegen die Verlegung von Einzeladern in Leerrohren spricht nichts. Noch heute werden alte Adern in Plattenbauten gegen neue Einzeladern (nicht Leitungen) getauscht um auf dem Stand der Dinge zu sein. Wichtig dabei ist, das es sich um starre Kabel nach der aktuellen Farbgebung handelt. Dann ist alles gut. Zu den geerdeten PVC Rohren: Tatsächlich etwas ungewöhnlich, aber woher weisst du, dass es sich hierbei nicht um eine interne Vorschrift handelt um z.B. statischer Aufladung vorzubeugen? Vielleicht war das mal ein Ex-Raum? Schaden tut es, ausser dem Budget, auf jedenfalls nicht.

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