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Mehrparteienwohnungen

Anforderungen an Beleuchtungsschaltungen in Mehrparteienwohnanlagen

Für Treppenräume, Dachbodenflure und Kellerflure werden in der DIN 18015-2:2004-08 normative Anforderungen an die Beleuchtungsschaltungen gestellt.

Bei allgemein zugänglichen Gemeinschaftsbereichen wie Treppenhäusern gelten eigene Anforderungen an Beleuchtungsschaltungen

Bei allgemein zugänglichen Gemeinschaftsbereichen wie Treppenhäusern gelten eigene Anforderungen an Beleuchtungsschaltungen

Zusätzlich zu den normativen Forderungen können im Einzelfall weitere baurechtliche Forderungen wie z. B. eine Sicherheitsbeleuchtung oder voneinander unabhängige Stromkreise aufgestellt werden.

1. Forderungen an die Beleuchtungsschaltung

Die aufgestellten Forderungen der DIN 18015-2 beziehen sich auf die allgemein zugänglichen Gemeinschaftsbereiche von Mehrparteienwohnanlagen [1]. Sie bezieht sich insbesondere auf:

- Treppenräume
- Treppenvorräume
- Flure
- Laubengänge
- Aufzugsvorräume

Im Einzelfall wäre zu prüfen, inwieweit weitere Bereiche wie z. B. Waschküchen mit den hier beschriebenen Beleuchtungsschaltungen auszustatten sind.

1.1 normative Forderungen

Die Beleuchtungsschaltungen unterliegen auch den Forderungen aus den VDE-Normen. Ein einpoliges Schaltgerät darf nicht im Neutralleiter eingesetzt werden [2].

Diese Forderung ist früher in Bestandsanlagen nicht unbedingt erfüllt worden. Werden für die Beleuchtungsschaltung Taster oder Schalter eingesetzt, dann sind diese zu beleuchten [1]. Weiterhin muss bei automatischen Beleuchtungsschaltungen eine Abschaltvorwarnung gegeben werden [1]. Dies kann durch Abdimmen oder kurze Unterbrechungsimpulse erfolgen.

1.2 betriebliche Forderungen

Zusätzlich zu den normativen Forderungen können durch den Anlagenbetreiber Forderungen an die Betriebseigenschaften aufgestellt werden. Diese können z. B. sein:

  • Nachtastbarkeit
  • Versorgung weiterer Bereiche durch das Leitungssystem

2. manuell getastete Beleuchtungsschaltungen

Bei den manuell getasteten Beleuchtungsschaltungen wird zwischen den 3-Leiter-Schaltungen und der 4-Leiter-Schaltung unterschieden. Die Zählung der Adern bezieht sich nur auf die aktiven Adern und berücksichtigt keine Schutzleiter.

2.1 3-Leiter-Schaltung, Variante 1

Bei dieser Schaltung wird ein gemeinsamer Neutralleiter für die Leuchten und die Taster verwendet. Die Taster tasten den Neutralleiter, während die Leuchten vom Schaltgerät einen geschalteten Außenleiter erhalten.

Diese Schaltung ermöglicht beleuchtete Taster, eine Warnfunktion und eine Nachtastbarkeit. Aufgrund des fehlenden Außenleiters ist eine Versorgung zusätzlicher Bereiche nicht möglich. Das normative Verbot dieser Schaltung begründet sich in der Einbringung der Taster in den Neutralleiter. Somit befinden sich die oben genannten einpoligen Schaltgeräte im Neutralleiter des Stromkreises. Diese Schaltung ist folglich nicht zulässig.

    Anforderungen an Beleuchtungsschaltungen in Mehrparteienwohnanlagen 1

Bild 1: 3-Leiter-Schaltung, Variante 1

2.2 3-Leiter-Schaltung, Variante 2

Diese Schaltung verfügt über einen Leiter, der als getasteter Außenleiter das Schaltgerät ansteuert und sodann als geschalteter Außenleiter für die Versorgung der Leuchten dient.

Die oben genannten normativen Forderungen werden vollständig erfüllt. Auch die zusätzliche Beleuchtung kann realisiert werden. Einen großen Nachteil dieser Beleuchtungsschaltung stellt die Unmöglichkeit einer Nachtastbarkeit dar.

Aus diesen Gründen bietet diese Beleuchtungsschaltung zwar eine Sanierungsmöglichkeit der 3-Leiter-Schaltung, Variante 1 unter Beibehaltung eines vorhandenen Leitungsnetzes. Aus praktischer Sicht ist sie jedoch in Ermangelung der Nachtastbarkeit für Neuanlagen nicht geeignet.

    Anforderungen an Beleuchtungsschaltungen in Mehrparteienwohnanlagen 2

Bild 2: 3-Leiter-Schaltung, Variante 2

2.3 4-Leiter-Schaltung

Diese Schaltung beinhaltet einen Außenleiter und einen Neutralleiter. Die Taster steuern das Schaltgerät über einen getasteten Außenleiter an und die Leuchten erhalten zu Spannungsversorgung einen geschalteten Außenleiter vom Schaltgerät. Da die Taster über einen ständig anstehenden Außenleiter versorgt werden, ist die Möglichkeit der Nachtastbarkeit ständig gegeben. Diese Schaltung erfüllt somit alle normativen und oben genannten betrieblichen Forderungen. Sie ist für Neuanlagen zulässig und geeignet.

    Anforderungen an Beleuchtungsschaltungen in Mehrparteienwohnanlagen 3

Bild 3: 4-Leiter-Schaltung

2.4 Beispiele für Treppenlicht-Schaltgeräte

Diese Geräte werden heutzutage vorwiegend als Reiheneinbaugeräte hergestellt. In Altanlagen befinden sich auch von einer Verteilung abgesetzte Schaltgeräte. Diese enthalten teilweise hochgiftige Quecksilberschalter.

Diese Auswahl an Schaltgeräten stellt solche ohne Abschaltvorwarnung dar. Es werden jedoch von allen Herstellern auch Schaltgeräte hergestellt, die die normative Forderung einer Abschaltvorwarnung erfüllen. Beim Austausch dieser Geräte ist besonders zu beachten, dass ein richtig ausgewähltes Schaltgerät eingesetzt wird. Aufgrund der unterschiedlichen Aufbauten der Schaltungen sind die Schaltgeräte nicht freizügig austauschbar.

    Anforderungen an Beleuchtungsschaltungen in Mehrparteienwohnanlagen 4

Bild 4: Übersicht einiger Schaltgeräte

3. Wechselschaltungen

Neben den manuell getasteten Beleuchtungsschaltungen können auch Bereiche mit einer Wechselschaltung ausgestattet sein. Für diese gelten dieselben Anforderungen wie für die manuell getasteten Beleuchtungsschaltungen. Allerdings entfallen die normative Forderung nach einer Abschaltvorwarnung und die betriebliche Forderung nach einer Nachtastbarkeit.

3.1 Standard-Wechselschaltung

Diese Schaltung erfordert den Einsatz von Schaltern, die über zusätzliche Anschlüsse für eine Beleuchtung verfügen. Die Standartschalter mit einem zusätzlichen Anschluss für einen Neutralleiter können nicht verwendet werden, da der zur Leuchte zugeordnete Schalter über keinen Außenleiter verfügt. Insofern ist diese Schaltung nicht geeignet.

    Anforderungen an Beleuchtungsschaltungen in Mehrparteienwohnanlagen 5

Bild 5: Wechselschaltung

3.2 Hamburger Wechselschaltung

Bei der sogenannten Hamburger Wechselschaltung werden die Schalter mit einem Außenleiter und einem Neutralleiter beschaltet. Die Leuchte befindet sich zwischen den Bockpolen der Schalter. Diese Schaltung wurde früher gerne verwendet, da die Montage einer zusätzlichen Steckdose an jedem Schalter problemlos möglich war.

Bei dieser Schaltung kann die Leuchte auch im ausgeschalteten Zustand unter Spannung stehen. Eine Spannungsprüfung mit einem zweipoligen Spannungsprüfer über die Anschlussklemmen der Leuchte kann eine Spannung von 0 ergeben, wenn beide Schaltglieder am Außenleiter anliegen. In diesem Fall besteht auch im ausgeschalteten Zustand die Gefahr eines elektrischen Schlages. Diese Schaltung ist normativ verboten [3].

    Anforderungen an Beleuchtungsschaltungen in Mehrparteienwohnanlagen 6

Bild 6: Hamburger Wechselschaltung

3.3 Sparwechselschaltung

Diese Schaltung erfüllt alle normativen Forderungen. Durch das Vorhandensein eines Außenleiters an jedem Schalter kann die Beleuchtung sehr einfach realisiert werden. Es werden nur handelsübliche Schalter oder Beleuchtungskörper mit zusätzlichem Neutralleiteranschluss benötigt. Diese Schaltung ist für Neuanlagen geeignet und zulässig.

    Anforderungen an Beleuchtungsschaltungen in Mehrparteienwohnanlagen 7

Bild 7: Sparwechselschaltung

4. Fazit

Die Umsetzung dieser normativen und betrieblichen Forderungen bei einer Neuinstallation oder einer Sanierung beinhalten Vorteile für den Betreiber und den Errichter der Anlage. Es kann hierdurch verhindert werden, dass Personen durch plötzliche Dunkelheit auf einer Treppe stürzen oder in einem geschlossenen Kellerraum in Panik geraten. Weiterhin kann der Nutzer der Anlage diese beruhigt nutzen, da er die Sicherheit hat, nicht plötzlich „im Dunkeln“ zu stehen.

Eine verantwortungsbewusst errichtete Elektroanlage wird durch eine gewissenhafte Anlagenprüfung fertig gestellt. Diese fordert die Fehlerfreiheit [4]. Folglich müssen diese normativen Forderungen erfüllt werden, um die Anlage in Betrieb nehmen zu können.

Autor: Dipl.-Ing. (FH) Olaf Wulf

Herr Wulf ist Fachplaner und Fachbauleiter im Ingenieurbüro Wendt GmbH (Bremen/Hamburg/München

Quellennachweise


[1]: DIN 18015-2:2004-08, Abschnitt 4.2
[2]: DIN VDE 0100-460:2002-08, Abschnitt 465.1.2
[3]: DIN VDE 0100-550:1988-04, Erläuterung zu Abschnitt 5
[4]: DIN VDE 0100-600:2008-06, Abschnitt 61.4.1

Veröffentlicht:
2009-12-15

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