VdS-Richtlinie zu Leitungsanlagen
NHXMH ist gut, besser ist noch NHXMH+DIN-B1
Die VdS-Richtlinie zu Leitungsanlagen ist überarbeitet worden. Eingearbeitet wurden Hinweise für Planer und Errichter. Laut Statistik sind deren Fehler eine häufige Ursache für Mängel. Die in die Jahre gekommene Publikation "Kabel- und Leitungsanlagen" (VdS 2025) bedurfte aufgrund der neuen Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie (MLAR) und anderer neuer Normen und Verordnungen einer Überarbeitung.
NHXMH ist gut, besser ist noch NHXMH+DIN-B1
Auch neue Produktentwicklungen wie z.B. die erste bauaufsichtlich zugelassene schwerentflammbare Starkstromleitung (Baustoffklasse B1 nach DIN 4102) floss in die überarbeitete Publikation mit ein.
Das wirklich Neue bei der Überarbeitung der Publikation ergab sich aus der Auswertung der VdS-Mängelstatistik. In ihr ist nachzulesen, dass mangelhafte Kabel und Leitungsverlegung sowie unzureichende Wand- und Deckendurchführungen zu den häufigsten Mängeln elektrischer Anlagen gehören. Diese Mängel sind zum großen Teil auf Planungs- und Errichterfehler zurückzuführen.
Zusätzliche Hinweise auf relevante Normen und Vorschriften
Ein häufig zitierter Spruch lautet: "Man muss nicht alles wissen, man muss nur wissen, wo es steht". Bezogen auf die neue Publikation heißt dies, dass an den Stellen, wo die Publikation keine detaillierten Aussagen trifft, die Publikation "weiß", in welchen Normen und Vorschriften die benötigten Informationen stehen und diese zitiert werden. Wie schon erwähnt, gehören mangelhafte Wand- und Deckeneinführungen zu den häufigsten Mängeln in einer elektrischen Anlage. Um diesen Mängeln vorzubeugen, wurden weitere Erläuterungen zur Errichtung von Kabelschotts in die Publikation aufgenommen. Viele dieser Anmerkungen beziehen sich auf die zu liefernde Dokumentation des Kabelschotts: z.B. Zulassungsbescheid des Schotts, Angaben auf dem Bezeichnungsschild des Schotts, Übereinstimmungserklärung des Errichters.
Auswahl von Kabel und Leitungen, Berechnungen und Beispiele
Das Nonplusultra der neuen Publikation ist der Anhang B. In diesem wird in Einzelschritten die Berechnung von Leitungsanlagen erläutert. Um diesen Anhang so einfach und schlank wie möglich halten zu können, wurden einige Vereinfachungen in Kauf genommen. Die Vereinfachungen und ihre Auswirkungen werden in den jeweiligen Abschnitten beschrieben.
Alle Formeln und Tabellen zur Berechnung von Leitungsanlagen
Außer Tabellen für die Strombelastbarkeit von Kabeln und Leitungen mit einer zulässigen Leitertemperatur ungleich 70 °C und Tabellen für maximal zulässige Kabel- und Leitungslängen zur Einhaltung der Abschaltbedingungen für den Personenschutz und Kurzschlussschutz erhält der Elektroplaner alle Formeln und Tabellen, die er für die Berechnung von Leitungsanlagen benötigt.
Der Anhang B unterteilt sich in drei Abschnitte:
Anhang B1:
Querschnitts- und Nennstromberechnung.
Anhang B2:
Ermittlung der maximal zulässigen Kabel- und Leitungslängen.
Anhang B3:
Ermittlung der zulässigen Biegeradien bei fester Verlegung und der Befestigungsabstände.
Um den Einfluss von Verlegeart, Umgebungstemperatur, Häufung von Kabeln und Leitungen und der anderen Umrechnungsfaktoren auf den Querschnitt des Kabels oder der Leitung zu verdeutlichen, sind zu jedem der drei Abschnitte Beispiele im Anhang enthalten.
Informationen zur Qualität verschiedener Kabel und Leitungen
Ein weiteres Highlight der Publikation ist der Anhang C. In diesem werden erstmals verschiedene Kabel- und Leitungsarten nach ihrer brandschutztechnischen Qualität dargestellt.
Auf einer Skala von unten (schlechte Brandschutzqualität) nach oben (beste Brandschutzqualität) liegen Kabel und Leitungen mit VPE-Mantel am unteren Ende.
Nicht praxisgerechte Prüfung
Etwas besser sind Kabel und Leitungen mit einem PVC-Mantel, z.B. NYY, NYM oder einem Mantel aus thermoplastischem Polymer, z.B. NHMH. Schwachpunkt dieser Kabel und Leitungen ist, dass die Prüfung des Brennverhaltens nur an einer einzelnen Leitung (einem Kabel) durchgeführt wird, was nicht unbedingt praxisgerecht ist.
Eine gute brandschutztechnische Qualität wurde den Kabeln und Leitungen attestiert, deren Brennverhalten an einem Kabel- bzw. Leitungsbündel geprüft wurde, z.B. NHXMH. Zusätzlich wird bei diesen halogenfreien Leitungen auch die Rauchdichte und Korrosivität geprüft.
Wer noch mehr für den Brandschutz tun möchte, nimmt die Leitung NHXMH+DIN-B1. Diese Leitung wurde zusätzlich nach der strengeren Baustoffnorm DIN 4102-1 und -16 geprüft. Nur Leitungen die nach DIN 4102 geprüft wurden, werden nach MLAR als "elektrische Leitung mit verbessertem Brandverhalten" bezeichnet.
Die beste brandschutztechnische Qualität haben die mineralisolierten Leitungen. Durch ihre Nicht-Brennbarkeit besitzen sie gegenüber den anderen genannten Kabeln und Leitungen brandschutztechnische Vorteile, z.B. tragen sie nicht zur Brandlast und Brandfortleitung bei, sie sind häufig nach einem Brand noch einsetzbar.
Nicht nur ein neues Outfit
Fazit:
Die neue Publikation "Elektrische Leitungsanlagen"
(VdS 2025) erscheint mit neuem Deckblatt und neuen Namen. Aber nicht
nur das Outfit ist neu. Werden die Empfehlungen der Publikation
"Elektrische Leitungsanlagen" (VdS 2025) eingehalten, steht den Kabeln
und Leitungen einer elektrischen Anlage ein langes Leben bevor. Mit dem
neuen Anhang B erhält der Handwerker ein Tool, mit dem er schnell und
ohne Computer einfache Leiterquerschnitte berechnen kann. Sollte er
vergessen haben, wie groß der Biegeradius sein muss, reicht ein kurzer
Blick in die VdS 2025.
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Dipl.-Ing. (FH) Karsten Callondann
arbeitet für den GDV
(Abteilung Sachversicherung / Schadenverhütung)
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