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Interview mit Stefan Euler

Defizite bei der Weiterbildung

Stefan Euler ist ein Mann der Praxis. Er war lange verantwortliche Elektrofachkraft bei der Linde AG und technischer Leiter der Königsbacher Brauerei in Koblenz. Zugleich war er unter anderem Schulungsleiter beim TÜV, dem Haus der Technik und für WEKA MEDIA. Er kennt den Stand der Qualifikation der in der Elektrotechnik Beschäftigten daher aus verschiedenen Perspektiven und aus konkreten Erfahrungen. Euler arbeitet heute als Dozent für den Software-Hersteller Mebedo.

Stefan Euler

Stefan Euler


Herr Euler, Sie waren jahrelang verantwortliche Elektrofachkraft. Seit mehr als zehn Jahren geben Sie Kurse zu den verschiedenen Themen der Elektrotechnik. Sind und waren die in der Elektrotechnik Beschäftigten stets ausreichend qualifiziert?

Euler: In meinem Tätigkeitsbereich ja. Ich habe meine Mitarbeiter regelmäßig zur Fortbildung geschickt. Ein anderes Bild bietet sich mir in meinen Seminaren. Dort habe ich bisweilen Teilnehmer, die seit über 10 Jahren an keiner Weiterbildungsmaßnahme teilgenommen haben.

Woher kommen die Unterschiede?

Euler: Generell muss man sagen, dass Großkonzerne ihre Angestellten kontinuierlich weiterqualifizieren. Bei kleineren und mittleren Unternehmen sieht es tendenziell anders aus. Aus meiner Sicht werden dort die technischen Mitarbeiter oft nicht dabei unterstützt, auf dem Stand der Technik zu bleiben.

Wie macht sich das bemerkbar?

Euler: Eine Elektrofachkraft muss mit der aktuellen Normung vertraut sein und sie sicher anwenden können. Wer aber die Betriebssicherheitsverordnung immer noch nicht kennt, hat in den vergangenen sechs Jahren versäumt, sein Wissen zu aktualisieren. Solche Teilnehmer der Seminare sind keine Exoten. Ich schätze aus meiner Erfahrung heraus, dass sechzig Prozent der Beschäftigten kleiner und mittlerer Unternehmen die Betriebssicherheitsverordnung nicht wirklich kennen.

Was bei Großkonzernen anders ist...

Euler: Hier werden zwar die mindestens einmal jährlich geforderten Sicherheitsunterweisungen durchgeführt, jedoch gibt es auch bei den dort Beschäftigten Wissenslücken. Vielen ist gar nicht bewusst, dass sie Arbeiten unter Spannung praktizieren, weil sie nicht wissen, dass es laut DIN VDE 0105-100 bei AuS drei Abstufungen gibt.

Zu Unfällen kommt es aber auch aufgrund anderer Defizite bei der Qualifikation, etwa weil die falschen Prüfgeräte eingesetzt werden.

Euler: Richtig. Viele haben nicht die richtigen Messmittel zur Verfügung oder setzen sie falsch ein. Bei der Frage nach der erforderlichen Kategorie der eingesetzten Messgeräte sehe ich oft nur erstaunte Gesichter bei den Seminarteilnehmern. „Was will der denn jetzt schon wieder von uns...“ Ein weiteres Beispiel ist die nicht durchgeführte und protokollierte, erforderliche Prüfung nach dem „Austausch“ eines Motors!

Wer die Frage nach der Qualifikation von Elektrofachkräften stellt, muss auch die nach der von Elektrotechnisch unterwiesenen Personen (EuP) stellen. Immer häufige werden sie für Aufgaben herangezogen, für die früher höher qualifizierte Elektrofachkräfte eingesetzt wurden.

Euler: Bei einfachen Tätigkeiten ist der Einsatz von EuP sehr sinnvoll, vor allem im produzierenden Gewerbe. Ein Facharbeiter, der seine Maschine besser kennt, als die Elektrofachkraft kann dahingehend unterwiesen werden, dass er einfache Fehlermeldungen eigenständig abarbeitet, also etwa einen Motorschutzschalter entsperrt. In einem Unternehmen, das ich beraten habe, ließen sich dadurch bei den Maschinenstillstandszeiten Einsparnisse von bis zu 60 Prozent erreichen. Klar aber ist, dass alles, was komplexer ist und mehr Fachwissen erfordert, Sache der Elektrofachkraft ist und bleibt.

Worauf muss bei der EuP-Ausbildung geachtet werden?

Euler: Das kommt darauf an, wo sie eingesetzt werden soll. Generell aber ist wichtig, dass eine Schulung alleine nicht reicht. Die EuP braucht geeignete Anweisungen, sie muss zu den besonderen Gefahren und Umständen ihres Einsatzortes von einer Elektrofachkraft unterwiesen werden. Denn – und das wird gerne vergessen – eine EuP darf nur unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft arbeiten. Sie trägt die Verantwortung.

Wissen das die Verantwortlichen?

Euler: Nein, das ist vielen nicht bewusst. Aus diesem Umstand heraus fehlt sehr häufig die geforderte klare und transparente Organisationsstruktur des Bereichs der Elektrotechnik im Unternehmen.

Interview: Peter Oberstein


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Veröffentlicht:
2008-06-11

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