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Arbeitsmethoden

Sicheres Arbeiten an elektrischen Anlagen

Beim Arbeiten an elektrischen Anlagen werden drei gleichwertige Arbeitsmethoden unterschieden: Arbeiten im spannungsfreien Zustand, Arbeiten unter Spannung (AuS) und Arbeiten in der Nähe unter Spannung stehender Teile. Alle drei Methoden setzen wirksame Schutzmaßnahmen gegen elektrischen Schlag sowie gegen Auswirkungen von Kurzschlusslichtbögen voraus.

Reinigen einer Niederspannungsanlage unter Spannung

Reinigen einer Niederspannungsanlage unter Spannung

Im Kommentar der VDE-Schriftenreihe Band 13 „Betrieb von elektrischen Anlagen, Erläuterungen zu DIN VDE 0105-100“ steht im Kapitel 6, Arbeitsmethoden, Absatz 6.1 - Allgemeines u.a.:

Die drei Methoden „Arbeiten im spannungsfreien Zustand“, „Arbeiten unter Spannung“ und „Arbeiten in der Nähe unter Spannung stehender Teile“ stehen in dieser Norm gleichwertig nebeneinander, wenn bei jeder Methode die jeweils erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen getroffen sind.

Arbeiten im spannungsfreien Zustand

Nach eindeutiger Festlegung des Arbeitsbereichs müssen die folgenden fünf wesentlichen Anforderungen (5 Sicherheitsregeln) in der angegebenen Reihenfolge eingehalten werden, sofern es nicht wichtige Gründe gibt,davon abzuweichen:

  • Freischalten
  • gegen Wiedereinschalten sichern
  • Spannungsfreiheit feststellen
  • Erden und Kurzschließen
  • benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken


Der Arbeitsverantwortliche erhält vom Anlagenverantwortlichen die Erlaubnis, die geplanten Arbeiten durchzuführen.

Alle an der Arbeit beteiligten Personen müssen Elektrofachkräfte oder elektrotechnisch unterwiesene Personen sein oder unter Aufsichtführung einer solchen Person stehen.

Arbeiten unter Spannung (AuS)

In DIN VDE 0105-100 werden die Bedingungen für das Arbeiten unter Spannung im Kapitel 6.3 folgendermaßen aufgegliedert:
6.3 Arbeiten unter Spannung
Arbeiten unter Spannung müssen nach national erprobten Verfahren ausgeführt werden. […]

Beim Arbeiten unter Spannung besteht eine erhöhte Gefahr der Körperdurchströmung oder Störlichtbogenbildung. Dies erfordert besondere technische und organisatorische Maßnahmen, je nach Art, Umfang und Schwierigkeitsgrad der Arbeiten in a) bis c).

a)    Arbeiten, die generell unter Spannung durchgeführt werden dürfen.

Alle Arbeiten, wenn

  • sowohl die Nennspannung zwischen den aktiven Teilen als auch die Spannung zwischen aktiven Teilen und Erde nicht höher als 50 V Wechselspannung oder 120 V Gleichspannung ist (SELV oder PELV)oder
  • die Stromkreise nach DIN VDE 0165 (VDE 0165) eigensicher errichtet sind oder
  • der Kurzschluss-Strom an der Arbeitsstelle höchstens 3 mA Wechselstrom (Effektivwert )oder 12 mA Gleichstrom oder die Energie nicht mehr als 350 mJ beträgt
  • Heranführen von Spannungsprüfern und Phasenvergleichern
  • Anbringen von Isolierplatten, Abdeckungen und Abschrankungen
  • Abklopfen von Raureif mit isolierenden Stangen
  • Anspritzen unter Spannung stehender Teile bei der Brandbekämpfung hierbei ist DIN VDE 0132 (VDE 0132) zu beachten
  • Heranführen von Werkzeugen und Hilfsmitteln zum Reinigen von Anlagen mit Nennspannungen bis 1.000 V
  • Heranführen von Werkzeugen zum Bewegen leichtgängiger Teile, bei Nennspannungen über 1 kV mithilfe von Isolierstangen
  • Herausnehmen oder Einsetzen von nicht gegen direktes Berühren geschützten Sicherungseinsätzen unter Beachtung von 7.4.1 und 7.4.1.101 bzw. 7.4.1.102. Bei Nennspannungen über 1 kV sind Sicherungszangen oder gleichwertige anlagenspezifische Hilfsmittel zu verwenden
  • Abspritzen von Isolatoren in Freiluftanlagen; hierbei sind die Normen der Reihe DIN EN 50186 (VDE 0143) zu beachten


b)    Arbeiten, die aus technischen Gründen unter Spannung durchgeführt werden müssen. Hierzu gehören z.B.:


  • Arbeiten an Akkumulatoren oder Photovoltaikanlagen unter Beachtung geeigneter Vorsichtsmaßnahmen. Bei Nennspannungen über 1 kV muss eine Elektrofachkraft oder elektrotechnisch unterwiesene Person als zweite Person anwesend sein
  • Arbeiten in Prüfanlagen unter Beachtung geeigneter Vorsichtsmaßnahmen, wenn es die Arbeitsbedingungen erfordern. DIN VDE 0104 (VDE 0104) ist zusätzlich zu beachten
  • bei Nennspannungen bis 1.000 V: Fehlereingrenzung in Hilfsstromkreisen. Arbeiten bei Fehlersuche. Funktionsprüfung von Geräten und Schaltungen. Inbetriebnahme und Erprobung


c)    Sonstige Arbeiten, die unter Einhaltung bestimmter Voraussetzungen unter Spannung durchgeführt werden dürfen.

Für diese Arbeiten müssen die folgenden Bedingungen erfüllt sein:

  • Anweisung durch ein verantwortliche Elektrofachkraft (siehe DIN VDE 1000-10 (VDE 1000-10))
  • Sicherstellung, dass die Anforderungen nach 6.3.1 bis 6.3.12 erfüllt sind.

In Abhängigkeit von der Art der Arbeit dürfen Arbeiten unter Spannung nur von Elektrofachkräften oder elektrotechnisch unterwiesenen Personen mit Spezialausbildung ausgeführt werden, ausgenommen sind nur einige bestimmte Arbeiten.

Arbeiten in der Nähe unter Spannung stehender Teile

In der Nähe unter Spannung stehender Teile mit Nennspannungen über 50 V Wechselspannung oder 120 V Gleichspannung darf nur gearbeitet werden, wenn durch geeignete Maßnahmen sichergestellt ist, dass unter Spannung stehende Teile nicht berührt werden können oder die Gefahrenzone (siehe Abbildung) nicht erreicht werden kann.

AuS_Übersicht


Abb. 1: Abstände in Luft und Zonen für Arbeiten (Quelle: DEHN + SÖHNE, Neumarkt)

Die Werte für die Abstände DL und DV (siehe Abbildung) können aus den Tabellen in DIN VDE 0105 -100 entnommen werden.

Nach dieser Norm gilt:
„Elektrische Gefährdung in der Nähe unter Spannung stehender Teile kann durch Schutzvorrichtung, Abdeckung, Kapselung oder isolierende Umhüllung vermieden werden.
Wenn diese Maßnahmen nicht angewendet werden können, muss von blanken, unter Spannung stehenden Teilen ein sicherer Abstand, größer als DL eingehalten werden und erforderlichenfalls eine entsprechende Aufsichtführung sichergestellt sein.“

Der Arbeitsverantwortliche und die für die Arbeit vorgesehenen Personen, insbesondere solche, die mit Arbeiten in der Nähe unter Spannung stehender Teile nicht vertraut sind, sind über das Einhalten der notwendigen Abstände sowie über die getroffenen Sicherheitsmaßnahmen zu unterrichten und zum sicherheitsbewussten Verhalten aufzufordern.

Unterschiede zwischen „Arbeiten unter Spannung“ und „Arbeiten in der Nähe unter Spannung stehender Teile“

Die „Arbeiten unter Spannung“ unterscheiden sich also von den „Arbeiten in der Nähe unter Spannung stehender Teile“ wie folgt (siehe auch Abbildung):

Arbeiten unter Spannung ist jede Tätigkeit, bei der der Arbeitende unter Spannung stehende Teile berührt oder mit Körperteilen oder Gegenständen (Werkzeuge, Ausrüstungen, Geräte) die Gefahrenzone erreicht oder in sie eindringt.

Arbeiten in der Nähe unter Spannung stehender Teile umfasst alle Tätigkeiten, bei denen der Arbeitende mit Körperteilen oder Gegenständen (Werkzeuge, Ausrüstungen, Geräte) die Annäherungszone erreicht oder in sie eindringt, die Gefahrenzone jedoch nicht erreicht.


Autoren: Dr.-Ing. Peter Hasse, Dipl.-Ing. Walter Kathrein

Veröffentlicht:
2009-03-18

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