Schutzkleidung (PSA)
Im Angesichts des Funkenflugs
Es passiert immer wieder, obwohl die Gefahren auf der Hand liegen: Der Störlichtbogen erwischt den Installateur mit voller Wucht, Oberkörper, Kopf und Hände verbrennen im Funkenflug. Oft, weil Schutzkleidung fehlte oder falsch verwendet wurde. Entscheidend ist hier die richtige Kombination aus geeigneter Arbeitskleidung und Persönlicher Schutzausrüstung.
Im Angesichts des Funkenflugs
Ein Störlichtbogen hat es in sich: Wer mit ihm konfrontiert wird, erleidet meist schwere Verbrennungen, oft mit langwierigen Folgen, oder überlebt den Unfall nicht.
Störlichtbögen vermeiden (siehe auch Fachartikel „Die Folgen des großen Knalls“), lautet das oberste Gebot. Es sind alle organisatorischen und technischen Maßnahmen zu ergreifen, die das gewährleisten können - auf der Grundlage einer Gefährdungsbeurteilung nach § 5 des Arbeitsschutzgesetzes (Den Gesetzestext können Sie hier nachlesen)
Es knallt ohne Vorwarnung
Aber es kann immer etwas passieren, und wenn es knallt, dann ohne Vorwarnung. Als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme müssen Sie sich selbst so gut schützen wie möglich. Den umfassendsten Schutz bietet Arbeitskleidung für elektrotechnische Tätigkeiten, die durch eine geeignete Persönliche Schutzausrüstung (PSA) ergänzt wird.
Arbeitskleidung als Basisschutz
Die Arbeitskleidung für Elektrofachkräfte besteht nach Angaben der Metall-Berufsgenossenschaften (VMBG) mindestens aus
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einer Arbeitshose mit langem Bein
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einem langärmeligen Hemd
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einer langärmeligen Arbeitsjacke,
deren Material den Anforderungen gerecht wird.
Welche Stoffe geeignet sind
„Schwer entflammbar“ und „niedriger Wärmedurchlass“ sind dabei die Hauptkriterien: Die Kleidung darf sich nicht leicht entzünden oder gar weiterbrennen, wenn der Lichtbogen bereits verloschen ist. Stoffe, die überwiegend aus Kunstfasern bestehen, sind denkbar ungeeignet. Sie schmelzen durch die Hitzeeinwirkung und können die Unfallfolgen noch erheblich verschlimmern.
Die Arbeitskleidung sollte deshalb aus kräftigem Baumwolltuch oder einem Mischgewebe mit hohem Baumwollanteil gefertigt sein, mit einem Tuchgewicht von mindestens 220 Gramm pro Quadratmeter, empfiehlt die VMBG. Demnach genügt bei Arbeiten in Hausinstallationen die handelsübliche Arbeitskleidung.
Für extreme Energien
Bei Arbeiten in höher abgesicherten Stromkreisen muss die Kleidung jedoch wesentlich mehr aushalten können. An Einspeisepunkten oder zentralen Verteilerstellen ist normale Arbeitskleidung fehl am Platz. Die Leitlinie der Internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit (IVSS) http://www.ivss.org/ für die Auswahl von PSA gegen thermische Auswirkungen fordert hier Mindestflächengewichte von rund 300 Gramm pro Quadratmeter, wobei auch Gewebeart und -dichte zu berücksichtigen sind.
Das empfohlene Prüfverfahren
Um die Faktoren Entflammbarkeit und Wärmedurchlässigkeit zu testen, wird diese Arbeitskleidung einem Standard-Lichtbogen ausgesetzt. Beim CENELEC-Püfverfahren fließen Kurzschlussströme bis zu 7 Kiloampere und maximal 0,5 Sekunden – eine Belastung, die laut BGVM rund 95 Prozent der Einsatzfälle bei hoher Spannung entspricht.
Dennoch: Der Störlichtbogen ist ein unerwartetes Ereignis, das sich nicht nach Standards richtet. Seine Intensität kann zwar abgeschätzt werden, unterliegt aber auch mehreren Unsicherheitsfaktoren. Zum Beispiel dem unbekannten Abstand der Person zum Lichtbogen und der Dauer der Einwirkung. Es kann also keine Garantie dafür geben, dass eine Kleidung jeden Störlichtbogen übersteht. Zumal noch Faktoren wie Trageverhalten und Verschleiß (Siehe auch Fachartikel: „So verwenden Sie Schutzkleidung richtig“) hinzukommen.
Persönliche Schutzausrüstung
Die Unfallmeldungen zeigen: Am häufigsten trifft ein Störlichtbogen Hände, Kopf und Unterarme - weil diese Stellen meist unzureichend oder gar nicht geschützt werden. Eine zusätzliche Persönliche Schutzausrüstung (PSA) kann Verbrennungen verhindern oder zumindest verringern, sogar bei starker Lichtbogeneinwirkung:
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isolierende Handschuhe und Unterarmschutz
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Helm mit Gesichtsschutz oder Schutzhaube
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isolierender Fußschutz
Weitere Informationen zur Schutzausrüstung für Arbeiten unter Spannung finden Sie in der BGR A3 „Arbeiten unter Spannung an elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln“
Fazit
Geeignete Arbeitskleidung + PSA + Beachtung aller Tragehinweise, so lautet die Formel für den größtmöglichen Schutz vor Störlichtbogeneinwirkung. Die VMBG weist ausdrücklich darauf hin: Nur wenn eine elektrische Gefährdung völlig ausgeschlossen ist, kann auf die Schutzkleidung verzichtet werden - also ausschließlich nach vollständiger Anwendung der fünf Sicherheitsregeln.
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Autorin: Christine Lendt, Recherche + Text
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