Tipps zu Auswahl, Anwendung und Instandhaltung
Erdungs- und Kurzschließvorrichtungen
Das Erden und Kurzschließen von freigeschalteten Teilen elektrischer Anlagen wird vorgenommen, um gefährliche Spannungen und Lichtbögen im Fall eines unbeabsichtigten Wiedereinschaltens zu verhindern. Mit Erdungs- und Kurzschließvorrichtungen nach DIN EN 61230 (VDE 0683-100) können gefährliche Spannungen und Lichtbögen verhindert werden, vorausgesetzt, dass die Vorrichtungen richtig bemessen, für den Anwendungsbereich ausgewählt, entsprechend der Gebrauchsanleitung angebracht und in gutem Zustand erhalten sind.
Dreipolige Erdungs- und Kurzschließvorrichtung im Schaltfeld eingebracht
Tipps zur Auswahl
Nachstehendes Beispiel zeigt, wie der erforderliche Kurzschließ-Seilquerschnitt A aus vorgegebenen Werten für die Netzausschaltleistung Sa und die Kurzschlussdauer Tk berechnet werden kann.
Bei generatorfernem Kurzschluss gilt:
Drehstrom: Ik" = Sa ∕ √3∙UN
Einphasenwechselstrom: Ik" = Sa ∕ UN
Mit dem maximalen Anfangs-Kurzschlusswechselstrom Ik" kann der erforderliche Seilquerschnitt A, wie in Abb. 2 gezeigt, berechnet oder aus dem Diagramm entnommen werden.
Abb.2: Ermittlung des erforderlichen Kurzschließ-Seilquerschnitts
Tipps zur Anwendung
Um Gefahren durch Restspannungen beim Anbringen der Vorrichtung zu vermeiden, muss diese zuerst mit der Erdungsanlage verbunden werden. Das weitere Anschließen wird mit isolierenden Hilfsmitteln bis zum vollständigen Verbinden und Befestigen der Vorrichtung ausgeführt.
Wenn die Vorrichtung einem Kurzschluss-Strom ausgesetzt wird, kann sie sich heftig bewegen. Da die thermische Ausnutzung des Leitermaterials wegen der Gewichtsbegrenzung hoch ist, wird die Vorrichtung im Kurzschlussfall hohe Temperaturen erreichen. Aus diesen Gründen sollte ihre Anbringung in unmittelbarer Nähe des Arbeitsplatzes des Personals genauso vermieden werden wie ihre Anbringung in Fluchtwegen.
Lange Kurzschließseile sind an festen Gegenständen zu befestigen. Große Abstände oder große Widerstände zwischen dem Anschlussort der Vorrichtung und dem Arbeitsplatz können erhöhte Spannungsgefährdungen bewirken.
Tipps zur Instandhaltung
Aus Sicherheitsgründen müssen Erdungs- und Kurzschließvorrichtungen mit großer Sorgfalt behandelt werden. Sie müssen vor jeder Anwendung gründlich überprüft werden. Jede Beschädigung der Seilhülle oder jedes Hervortreten des blanken Leiterseils muss als schwerer Schaden angesehen werden und schließt die Weiterverwendung aus.
Eine Vorrichtung, die einem Kurzschluss-Strom ausgesetzt wurde, muss von der Wiederverwendung ausgeschlossen werden, bis durch gründliche Untersuchung, Berechnung und Sichtprüfung nachgewiesen wurde, dass diese Beanspruchung so weit unterhalb der zulässigen geblieben ist, dass sich keine bleibenden mechanischen oder thermischen Beeinträchtigungen ergeben. Wenn auch nur der kleinste Zweifel am sicheren Zustand der Erdungs- und Kurzschließvorrichtung bestehen bleibt, muss die Weiterverwendung endgültig ausgeschlossen werden.
Ausführliche und weiterführende Erläuterungen zu diesen Themen finden sich
in
„Die Elektrofachkraft in der
betrieblichen Praxis“, Band 2, Teil 9 „Schutzmaßnahmen beim Arbeiten in
elektrischen Anlagen“.
------------------------------------------------------------
Abbildungen: DEHN + SÖHNE, Neumarkt
------------------------------------------------------------
Autoren: Dr.-Ing. Peter Hasse, Dipl.-Ing. Walter Kathrein
------------------------------------------------------------
Mehr Artikel zum Thema DIN VDE.


