AuS
Drei bewährte Verfahren beim Arbeiten unter Spannung
Beim Arbeiten unter Spannung (AuS) haben sich in der Praxis drei Verfahren bewährt: Arbeiten auf Abstand, Arbeiten mit Isolierhandschuhen, Arbeiten auf Potential die in diesem Beitrag beschrieben werden.
Arbeiten unter Spannung
Arbeiten auf Abstand
Beim „Arbeiten auf Abstand“ bleibt der Arbeitende in einem festgelegten Abstand von unter Spannung stehenden Teilen und führt seine Arbeit mit isolierenden Stangen aus.
Das Verfahren „Arbeiten auf Abstand“ wird vorzugsweise im „Mittelspannungsbereich“ (über 1 kV bis 36 kV) angewendet.
Es wird dort mit isolierenden Stangen gearbeitet, deren Isolationsfestigkeit geprüft ist, und bei denen der maximal zulässige Ableitstrom nicht überschritten wird.
Diese Stangen sind überbrückungssicher und geben darüber hinaus dem Arbeitenden den erforderlichen Schutzabstand gegenüber blanken, spannungsführenden Anlageteilen (aktiven Teilen).
Abb.1: Arbeiten auf Abstand
Beispiele für das „Arbeiten auf Abstand“ im Mittelspannungsbereich sind:
- Trockenreinigen von Schaltanlagen und Umspannern durch Absaugen (Abb. 1)
- Feuchtreinigen von Schaltanlagen und Umspannern
- Reinigen und Fetten von Schaltstücken an Trennschaltern
- Schmieren von Schalterantrieben
- Nachfüllen von Löschflüssigkeit in Schaltgeräten
- Nachfüllen von Isolieröl in Ortsnetzumspannern
- Nachfüllen von Kabelimprägniermasse
- Ausmessen von offenen Schaltfeldern für das Anbringen von isolierenden Schutzplatten
- Montieren von Vogelschutzeinrichtungen auf Freileitungsmasten
- Wechseln von Isolatoren an Freileitungsmasten
- Überbrücken von Schaltern
- Schneiden von Kabeln
Arbeiten mit Isolierhandschuhen
Bei diesem Arbeitsverfahren berührt der Arbeitende, geschützt durch Isolierhandschuhe (und möglicherweise isolierenden Armschutz), direkt unter Spannung stehende Teile (Abb. 2). In der Praxis kommen zusätzlich isolierende und isolierte Handwerkzeuge und geeignete Standortisolierungen zum Einsatz.
Abb. 2: Arbeiten mit Isolierhandschuhen
Das Verfahren „Arbeiten mit Isolierhandschuhen“ wird vorwiegend im „Niederspannungsbereich“ (bis AC 1.000 V bzw. bis DC 1.500 V angewendet beim:
- Anschließen von Kabeln in Verteilungen
- Herstellen von Hausanschlussmuffen
- Herstellen von Dachständer- und Giebelanschlüssen
- Auswechseln von Geräten in Schaltanlagen
- Auswechseln von Zählern
- Verstärken von Straßenkabeln und Hausanschlüssen
- Schließen von Baulücken, Anschluss neuer Bauvorhaben
- Reparatur/Auswechseln zerrissener oder beschädigter Kabel
- Reparatur/Auswechseln angefahrener Leuchtenmaste und Kabelverteilerschränke
- Herstellen von Baustromanschlüssen
- Reinigen von Schaltanlagen
Und im „Mittelspannungsbereich“ beim:
- Auswechseln von Isolatoren und Reparieren von Leiterseilen
Arbeiten auf Potential
Bei diesem Arbeitsverfahren befindet sich der Arbeitende auf gleichem Potential wie die unter Spannung stehenden Teile und berührt diese direkt; dabei ist er gegenüber der Umgebung ausreichend isoliert (Abb.: 3).
Abb.3: Arbeiten auf Potential
Dieses Arbeitsverfahren unterscheidet sich hinsichtlich des Potenzials, das der Ausführende während des AuS annimmt. Es erfordert spezielle Werkzeuge, persönliche Schutzausrüstungen und Aufstiegshilfen.
Das Verfahren „Arbeiten auf Potential“ wird bevorzugt im „Hochspannungsbereich“ (über 110 kV bis etwa 400 kV) angewendet beim:
- Befahren von Leiterseilen
- Anbringen von Seilmarkierungen
- Montieren von Abstandshaltern
- Reparieren von Seilschäden
- Entfernen von Fremdkörpern
- Wechseln von Isolatoren und Isolatorenketten an Trag- und Abspannmasten
- Befahren von Bündelleitern, zur Montage oder Kontrolle von Abstandshaltern
- Einbauen von Schutzplatten beim Ausführen von Korrosionsschutzmaßnahmen
- Erhöhen von Masten (z.B. mit einer hydraulischen Masterhöhungsvorrichtung)
- Nassreinigen
- Abstandsmessungen
Ausführliche und weiterführende Erläuterungen zu diesen Themen finden sich in
„Die Elektrofachkraft in der betrieblichen Praxis“, Band 2, Teil 9 „Schutzmaßnahmen beim Arbeiten in elektrischen Anlagen“.
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Abbildungen: DEHN + SÖHNE, Neumarkt
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Autoren: Dr.-Ing. Peter Hasse, Dipl.-Ing. Walter Kathrein
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