Gefährdungsbeurteilungen
Gefährdungsarten - Häufig unterschätzt
Als Elektriker oder Elektrofachkraft kümmere ich mich um die Gefahren des elektrischen Stroms - ist doch klar, ich kenn ich mich ja aus! Vorsicht, neben den Gefahren des elektrischen Stroms, wie Körperdurchströmung oder Lichtbogenbildung lauern noch jede Menge anderer Gefahren, die man vielleicht auf den ersten Blick gar nicht als solche erkennt!
Welche Gefährdungsarten "lauern" an Ihrem Arbeitsplatz?
Mit dem Arbeitsauftrag in der Tasche ziehen Sie des morgens voller Tatendrang an die neue Arbeitsstelle für den Instandhaltungs- oder Reparaturauftrag. Damit es schneller geht, laufen Sie gleich direkt zum Arbeitsplatz und legen los - Zeit ist ja schließlich ein knappes Gut und furchtbar teuer!
Paßt das so?
Wenn Sie einen Arbeitsplatz betreten, sollten Sie v o r h e r vom Anlagenverantwortlichen entsprechend über die Gefährdungen, die dort vorkommen können, informiert worden sein. Dies ist insbesondere für Gefährdungen wichtig, die nicht in Ihrem Fachgebiet liegen. Zusätzlich ist es für Sie und für den Anlagenverantwortlichen wichtig, dass Sie beiden wissen, wer hier welche Arbeiten macht - denn: die Wechselwirkungen sind nicht zu unterschätzen!!
Welche Gefährdungsarten gibt es?
Nachfolgend finden Sie einen kurzen Überblick und einige Beispiele für die verschiendenen Gefährdungsarten. In der Serie zu den Gefährdungsbeurteilungen werden wir Ihnen verschiedene Unfälle vorstellen und die Versäumnisse und Fehler, sowie Verbesserungs- und Präventionsansätze diskutieren.
- Elektrische Gefährdung
diese Gefährdungen sind Ihnen mit Sicherheit am geläufigsten:
Lichtbogen und gefährliche Körperströmung
- Mechanische Gefährdung
hierzu gehören unkontrolliert bewegte Teile, die Nutzung mobiler Arbeitsmittel, gefährliche Oberflächen, Fangstellen durch drehende Teile, aber auch Sturz und Stolpern, sowie Abstürze.
- Physikalische Gefährdungen
mechanische und elektrische Gefährdungen sind auch physikalische Gefährdungen. Zusätzlich gehören in diesen Bereich Quetschen, Scheren, Schneiden, Kälte, Hitze, schwebende Lasten, Ganzkörperschwingungen, Handarm-Schwingungen, UV-Strahlung, aber auch ionisierende oder radioaktive Strahlung, elektromagnetische Felder, Über- und Unterdruck.
Wie gefährlich das Thema Temperatur sein kann, lesen Sie demnächst im Beitrag: "Bei > 30 °C Außentemperatur erfroren"
- Chemische Gefährdung
dies können Gefährdungen durch Säuren, Laugen, Lösungsmittel oder sonstige Stoffe oder Zubereitungen sein. So gibt es Gefährdungen wie ätzende, reizende oder umweltgefährdende Wirkungen. Auch bioakkumulative (sich in biologischen Systemen anreichend), giftige, krebserzeugende, fruchtschädigende,erbgutschädigende und giftige Wirkungen gehören in diese Gruppe.
Nicht zu vergessen ist die Verdrängung von Atemluft durch Gase und Dämpfe, die schwerer als Luft sind (z.B. Kohlendioxid oder Lösemitteldämpfe).
- Biologische Gefährdung
diese Gefährdung wird z.B. von Mikroorganismen, Viren, Bakterien oder Pilzen hervorgerufen. Das wirksamste Bakterium ist das der Fleischvergiftung. Es ist 333.333.333 mal so giftig wie Zyankali - man kann also sagen: "klein aber oho!".
Denkt man an die sehr hohe Giftigkeit, die manche Bakterien und Pilze (auch Schimmelpilze gehören dazu) haben, so gibt das ein anderes Licht auf das Thema "Hygiene am Arbeitsplatz".
- Brand- oder Explosionsgefahr
diese können hervorgerufen werden durch Staub, Lösungsmittel, brennbare, entzündliche, leichtentzündliche oder hochentzündliche und explosionsfähige Stoffe und Zubereitungen. Informationen zu diesen Eigenschaften finden Sie auf dem Gebinde oder im Sicherheitsdatenblatt (R- und S-Sätze). Genauere Auskunft gibt Ihnen eine entsprechend chemisch vorgebildete Fachperson in Ihrem Betrieb.
Beachten Sie hier auch die Zündschnurartige Wirkung von Spinnweben. Diese sind in Sachen Brandausbreitung sehr gefährlich.
Aber auch 1 mm Staubbelag reicht bereits: wirbelt man eine Staubdecke von 1 mm Dicke auf, so reicht dies u.U. zur Bildung eines explosionsfähigen Staub-Luft-Gemisches aus.
- Arbeitsplatzbeschaffenheit
hier sind Themen wie Zwangshaltung, Bewegungsfreiheit, Sichtverbindung zu Kollegen, häufige Unterbrechungen, Luftfeuchtigkeit, etc. zu betrachten. Nicht zu unterschätzen sind auch psychische Belastungen wie Arbeiten an unter Spannung stehenden Teilen (AuS) oder in sehr engen Räumen.
Autorin: Marion Stühler


