Stiefkind Brandgefahr
Wenig beachtet: mangelhafte Schottungen und Isolationsfehler in Kabel- und Leitungsanlagen
Sofern Kabelschottungen überhaupt durchgeführt werden, werden sie in der Praxis immer wieder falsch dimensioniert, falsch ausgeführt oder für den individuellen Anwendungsfall völlig falsch ausgewählt. Diese Nachlässigkeit ist gefährlich.
Die typischen Mängel: Mechanische Beschädigung von Leitungsisolationen aufgrund fehlenden Kantenschutzes an der Metallkabelbühne (Bild: Bluhm)
1996 brannte der Düsseldorfer Flughafen. Auslösende Ursache waren Schweißarbeiten. Maßgeblich zur Brandausbreitung beigetragen hat dabei die Kabel- und Leitungsanlage, was zeigt, dass auf diese ein besonderes Augenmerk zu richten ist. Trotz dieser nicht ganz neuen Erkenntnis, sieht es hinsichtlich fachgerecht ausgeführter Kabelschottungen in der Praxis nicht gut aus.
Sofern sie überhaupt zur Anwendung kommen, werden sie oftmals falsch dimensioniert, falsch ausgeführt oder für den individuellen Anwendungsfall völlig falsch ausgewählt.
Ferner ist in der Praxis auffällig, dass auch wenn ein Kabelschott richtig ausgeführt und geschlossen wurde, bereits zeitnah das Schott wieder geöffnet werden muss, um weitere Leitungen nachzuziehen. So entsteht der Teufelskreis zwischen Einbau, Schließen und betriebsbedingtem Öffnen von Kabelschotten bis der Überblick über den tatsächlichen Zustand aller Schottungsmaßnahmen verloren geht.
Tritt jetzt der Brandfall ein, ist das Ergebnis des Brandszenarios oftmals katastrophal.
Isolationsfehler durch natürliche Alterung Isolationsfehler bei Kabel- und Leitungsanlagen durch natürliche Alterung ist ein ebenfalls oft unterschätztes Brandrisiko. Auch Kabel und Leitungsanlagen, insbesondere die Leitungsisolation, unterliegen einer natürlichen Alterung, die durch äußere Umwelteinflüsse noch verstärkt werden kann.
Alterung verändert die Werkstoffeigenschaften
Durch die natürliche Alterung mit oder ohne Umwelteinflüsse verändern sich die Werkstoffeigenschaften von Leitungsisolationen, z. B. werden Leitungsisolationen brüchig, wenn der Weichmacher aus der Kunststoffverbindung herauszieht. Als Folge hiervon bröckeln die durch die Alterung verhärteten Isolationsschichten des Mantels und der darunter befindlichen Einzeladern ab und es besteht die Gefahr des unvollkommenen Kurzschlusses zwischen den einzelnen blank gewordenen Einzeladern.
Heimtückisch bei dieser Art des Isolationsfehlers ist die Tatsache, dass ein Kabel oder eine isolierte Leitung am Anfang und am Ende optisch gut und neuwertig aussehen kann, jedoch im weiteren Verlauf, z. B. irgendwo entlang einer Kabelbühne oder in einem Installationskanal, den altersbedingten Isolationsfehler aufweisen kann. An dieser Stelle wird anschaulich, wie wichtig eine vorbeugende Instandhaltung ist und welche Bedeutung Messungen, insbesondere die Isolationswiderstandmessungen, haben.
Fazit: Fachgerecht ausgeführte Kabelschottungen sind Teil des Brandschutzes. Auch augenscheinlich intakte ältere Kabel und Leitungen können altersbedingte Isolationsfehler aufweisen. Vorbeugende Instandhaltung ist vor diesem Hintergrund eine Notwendigkeit.
Autor: Dipl.-Ing. Holger Bluhm,
Herr Bluhm ist VdS-anerkannter Sachverständiger zum Prüfen elektrischer Anlagen


