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Gefährdungspotenziale bei ortsfesten elektrischen Anlagen und Verteilersystemen Teil 2

Prüfung bei potenzieller Überlast

Bei der Beurteilung des Zustands von Niederspannungs-Schaltanlagen und Verteilersystemen müssen neben der BGV A3 und der Betreiber-Bestimmung nach DIN VDE 0105 Teil 100 oft weitere Aspekte beachtet werden, um alle Gefährdungspotenziale zu erfassen. Dipl.-Ing. Hans J. Rübsam nennt Beispiele aus der Praxis. Heute: Fehlende Überprüfung potenzieller Überlast/fehlende aktuelle Strommessungen nach Erweiterungen, Änderungen und Umnutzungen.

Vorsicht bei einer potenziellen Überlast! (Foto: Hans-Peter Reichartz/pixelio)

Vorsicht bei einer potenziellen Überlast! (Foto: Hans-Peter Reichartz/pixelio)

Bei der Planung von Schaltanlagen und Verteilersystemen wird der Bemessungsbelastungsfaktor (sofern keine Angaben über die tatsächlichen Ströme vorliegen) gemäß DIN VDE 0660 Teil 500 Abschnitt 4.7, Tabelle 1 gewählt. Bei zehn und mehr Stromkreisen wäre das zum Beispiel der Faktor 0,6. So wird er dann auch bei der Typ-Prüfung nach 8.2.1.3 angewendet.

Ausfall mangels Nachbesserung

Verändert sich dieser Faktor bei steigendem Energiebedarf in den Folgejahren in Richtung 1,0 (etwa durch Nutzung der Reserveplätze), sind oft auch Änderungen innerhalb der Schaltgerätekombination erforderlich. Zum Beispiel eine Neujustage von Überstrom-Schutz- und -Schaltgeräten oder der Austausch von Sicherungsschmelzeinsätzen. Denn der Anstieg der Betriebstemperatur kann die innere Verdrahtung belasten.

Lichtbogen aufgrund innerer Erwärmung

In der Praxis aber, bemängelt Rübsam, wird hier so gut wie nie nachgebessert und es kommt zum Ausfall. Der VDE-Experte nennt ein Praxisbeispiel:

In einem großen Automobilwerk kam es durch den nachträglichen Anschluss weiterer, höherwertiger Verbraucher innerhalb einer Typ-geprüften Isolierstoff-Verteileranlage der Schutzart ³ IP55 zu erhöhter innerer Erwärmung. Dabei wurden Grenzerwärmungen überschritten, was zum Abschmelzen der Isolierstoff-Umhüllung der flexiblen Kupferverbindungsschienen führte, wodurch wiederum die Luft- und Kriechstrecken unterschritten wurden. Die Folge: Lichtbogenzündung. Erst nach einiger Zeit löste der zugehörige, entfernt installierte Leistungsschalter als Strombegrenzer aus und schaltete die Anlage endlich ab.

Empfehlung: Verbraucher gesondert betrachten

Die tatsächlichen Lastverhältnisse können oft noch nicht bereits bei der Planung berücksichtigt werden. Zumindest aber können und sollten Verbraucher, die vorwiegend im Dauerbetrieb gefahren werden, außerhalb des empfohlenen Bemessungsbelastungsfaktors gesondert betrachtet werden. Das kann zum Beispiel Beleuchtungs- und Heizungsanlagen, Kühl- u. Lüftungsanlagen und viele andere Verbraucher betreffen und gilt auch für Reserveplatz-Bestückungen.

Bei der Kontrolle beachten

Für die regelmäßige Kontrolle und Beurteilung nach dem Prinzip „Besichtigen – Erproben – Messen“ nennt Rübsam Faktoren, die Sie besonders beachten sollten:

  • Der für die Schaltanlage erreichbare (ggf. durch eine Strombegrenzung limitierte)  maximale Bemessungsbetriebsstrom IB max  (IN max ) sollte ermittelt und dokumentiert werden.
  • Das Typenschild der Schaltanlage sollte den maximalen Bemessungsbetriebsstrom IB max  und nicht den Sammelschienen-Nennstrom angeben. Denn: Letzterer kann durchaus um 10 bis 20 Prozent erhöht werden, ohne Schaden zu nehmen. Für die Gesamt-Anlage ist jedoch der maximale Betriebsstrom entscheidend, und genau an diesem Wert muss sich der Errichter bei einer Änderung, Erweiterung oder Umnutzung orientieren können.
  • Regelmäßige Überwachung (Messung) der Erwärmung innerhalb der Schaltgerätekombination, vor allem nach Änderungen / Erweiterungen / Umnutzungen, mittels Wärme- bzw. Temperaturmessungen. Dafür eignen sich berührungslos messende Infrarot-Thermometer oder Wärmebildkameras.

Fazit                 

Die fehlende Überprüfung potenzieller Überlast oder fehlende aktuelle Strommessungen nach Erweiterungen, Änderungen und Umnutzungen kann böse Folgen haben. Vor allem kompakte Anlagen oder Verteilersysteme und Anlagen mit einem hohen Anteil an elektronischen Verbrauchern bergen dann besondere Gefährdungspotenziale hinsichtlich des Sach- und Brandschutzes, die auch besonders beachtet werden müssen.

Weiterführender Link

Infos zum Thema „Wiederholungsprüfung an unter Spannung stehenden Teilen“

Autoren:

Christine Lendt, Frau Lendt ist freie Journalistin, www.recherche-text.de.

Dipl.-Ing. Hans J. Rübsam, Herr Rübsam ist beratender Ingenieur

Mehr Artikel zu den Themen BGV A3, Prüfprotokoll, Gefährdungsbeurteilung, DIN VDE.

Veröffentlicht:
2009-02-09

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