Document Actions

DIN VDE 0100-610 wurde ersetzt

Prüfen nach dem neuesten Stand der Normen

Vor wenigen Monaten gab es eine wesentliche Normenänderung: Seit Juni 2008 wird die DIN VDE 0100-610 „Prüfung von Schutzmaßnahmen ortsfester elektrischer Betriebsmittel“ durch die VDE 0100-600 „Errichten von Niederspannungsanlagen - Teil 6: Prüfungen“ ersetzt.

Prüfen nach dem neuesten Stand der Normen (Bild: Profitest der Fa. GMC)

Prüfen nach dem neuesten Stand der Normen (Bild: Profitest der Fa. GMC)

Die DIN VDE 0100-600 enthält in Abschnitt 61 Anforderungen an die Erstprüfung elektrischer Anlagen. Damit soll festgestellt werden, ob die Anforderungen der anderen Teile der Reihe DIN VDE 0100 erfüllt wurden. Außerdem erfahren Sie, was bei der Erstellung eines Prüfberichts nach Abschluss der Erstprüfung zu beachten ist. Hier geht es also um Prüfungen nach Fertigstellung einer neuen Anlage, aber auch um Prüfungen bei Erweiterungen oder Änderungen bestehender Anlagen.

Eigene Norm für Wiederholungsprüfungen
Die Wiederholungsprüfung (oder „wiederkehrende Prüfung“) dagegen wird in der DIN VDE 0105-100/A1 (Abschnitt 62) behandelt. Sie wird an bereits komplett bestehenden elektrischen Anlagen durchgeführt, um festzustellen, ob der Zustand der Anlage und aller dazu gehörenden elektrischen Betriebsmittel in Ordnung ist. Ein Prüfbericht muss natürlich auch in diesem Fall erstellt werden.

Defekte und Fehler kosten Millionen
Trotz der eindeutigen gesetzlichen Sicherheitsbestimmungen und umfangreicher Schutzmaßnahmen verursachen defekte oder unsachgemäß errichtete und betriebene Elektroanlagen jährlich immense Schäden ‒ mittlerweile in einer Höhe von über 500 Millionen Euro. Hinzu kommen Personenschäden, zusätzliche Kosten durch den Ausfall von Arbeitskräften und Betriebsräumen, durch die Wiederherstellung von Räumlichkeiten, Arbeitsplätzen und Maschinen.

Mehr als Papierkram
Umso wichtiger ist es, Vorschriften und Normen nicht als zeitraubenden Papierkram zu betrachten, sondern sich konkret Gedanken über ihre Umsetzung zu machen. So legt die BGV A3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ zwar die Fristen für Wiederholungsprüfungen fest (siehe Durchführungsanweisungen, Tabelle 1A). Nach §5 Absatz 1 aber müssen Prüffristen auch so bemessen werden, dass „Mängel mit denen gerechnet werden muss, rechtzeitig erkannt werden“.

Die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) fordert im §3 die Ermittlung der Prüffristen anhand einer Gefährdungsbeurteilung und auch die Feststellung der erforderlichen Befähigung des Prüfers muss damit einhergehen. Nur die Übernahme der in der BGVA3 aufgelisteten Fristen ist nicht mehr Rechtskonform siehe Leitlinie zur BetrSichV.

Alle Anforderungen erfüllt?
Nach der DIN VDE 0100-600 ist vor der erstmaligen Inbetriebnahme einer elektrischen Niederspannungsanlage (oder eines Teils davon), durch Prüfungen nachzuweisen, dass die vorausgestellten Anforderungen der  DIN VDE 0100 bei der Errichtung eingehalten wurden. Außerdem darf die Sicherheit einer bereits bestehenden Anlage bei Änderungen oder Erweiterungen nicht beeinträchtigt werden. Der wesentliche Ablauf hat sich natürlich auch durch die neue Norm nicht geändert: Eine Erstprüfung folgt immer dem Schema Besichtigen ‒ Erproben ‒ Messen.

Sichtkontrolle
Zur Besichtigung gehört die Kontrolle auf äußerliche Mängel. Außerdem müssen Schaltpläne, Betriebsanleitungen und Beschriftungen von Stromkreisen und Typenschildern vorhanden sein. Die Einrichtung zur Unfallverhütung und Brandbekämpfung muss vollständig und einwandfrei zur Verfügung stehen.
Höchste Priorität hat die Feststellung, ob der Schutz gegen direktes Berühren aktiver Teile vorhanden ist und die Schutzmaßnahmen bei indirektem Berühren nicht fehlerhaft sind. Zu prüfen sind Querschnitt, Verlegung, Anschluss und die Kennzeichnung von Schutz-, Erdungs- und Potenzialausgleichsleitern.

Es folgt der Funktionstest
Durch Erproben muss unter anderem geklärt werden, ob Not-Aus Einrichtungen, Isolationsüberwachungen, Schutzeinrichtungen sowie Melde- und Anzeigeeinrichtungen funktionsfähig sind und die Anlage ordnungsgemäß arbeitet.

Messen mit geeigneten Mitteln
Die anschließenden Messungen sollen gewährleisten, dass alle (in den jeweils gültigen Vorschriften angegebenen) Grenzwerte oder Forderungen erfüllt werden. Sie dürfen nur mit geeigneten Prüfmitteln durchgeführt werden. Konkret: Die Mess- und Prüfgeräte müssen wiederum anderen DIN-VDE-Normen genügen (zum Beispiel diesen: DIN VDE 0411, DIN VDE 0413, DIN VDE 0403, DIN VDE 0404) und sind im Messprotokoll aufzuführen.

Wichtig:
Nur kalibrierte Messmittel dürfen zur Anwendung gelangen.

Vorsicht bei älteren Prüfgeräten
Um den Anforderungen der technischen Entwicklung gerecht zu werden, genügt es oft nicht, nur die im alten Bestand schon vorhandenen, üblichen Geräte einzusetzen. Zum gründlichen Beurteilen eines Erzeugnisses sind immer wieder neuartige Mess- und Prüfgeräte erforderlich. Sie lassen sich nicht immer aus den unmittelbaren Vorgaben der aktuellen Normen ableiten.

Nur eine „befähigte Person“ darf ran
Damit es keine unliebsamen Überraschungen gibt, muss der Prüfer mit den in den Normen vorgegebenen Aufgaben und Verfahren vertraut sein. Ein breiter Erfahrungshintergrund auf dem Gebiet der Prüftechnik ist Voraussetzung. Nicht umsonst spricht man heute auch von der „befähigten Person“ (laut § 2 Abs. 7 der Betriebssicherheitsverordnung und TRBS 1203 Teil 3 „elektrische Gefährdungen“).

Fazit
Eine fachgerecht durchgeführte Prüfung schafft Sicherheit und Klarheit in allen Punkten, insbesondere darüber, ob die Elektroinstallation dem jeweils erforderlichen Stand der Sicherheitstechnik entspricht. Dafür müssen die aktuellen Normen eingehalten werden. Für umfassendere Informationen zu diesem Thema ist ein Blick in die DIN VDE 0100-600 und die DIN VDE 0105-100/A1 von Juni 2008 unerlässlich.

Downloadhinweis

Im Anhang finden Sie zwei Checklisten zur DIN VDE 0100-600 zum kostenlosen downloaden.

Download 1: Checkliste zu den Inhalten der DIN VDE 0100-600

Inhalte VDE 0100-600

Download 2: Checkliste zu den Änderungen der DIN VDE 0100-600 gegenüber DIN VDE 0100-610

Änderungen VDE 0100-600

Autorin: Christine Lendt, www.recherche-text.de.

Mehr Artikel zum Thema BGVA3, Betriebssicherheitsverordnung, DIN VDE.

Veröffentlicht:
2008-12-18

Diesen Artikel bookmarken bei...
Mister Wong del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena oneview Yahoo MyWeb BlinkList YiGG Webnews
Vorteile für registrierte Nutzer
Als registrierter Benutzer von Elektrofachkraft profitieren Sie von vielen Vorteilen:
  • Vorlagen, Checklisten und Arbeitshilfen zum Download
  • uneingeschränkte Nutzung des Bilderpools
  • Teilnahmemöglichkeit an Gewinnspielen

Die Registrierung dauert nur einen Moment und Sie können im Anschluss sofort alle Vorteile nutzen.

jetzt registrieren…