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Störlichtbögen

Die Folgen des großen Knalls

Was für eine Wucht hinter einem Störlichtbogen steckt, wird oft unterschätzt: Hier wirken Temperaturen von bis zu 20 000 Grad Celsius. Brennbare Materialien in der Nähe entzünden sich, heißflüssiges Metall spritzt. Wer daneben steht, bekommt das zu spüren. Im Sonderseminar „Lichtbogen Live“ können Sie den großen Knall auf sichere Weise erleben.

Bild von: IngenieurBüro Vogler, IBV Berlin

Bild von: IngenieurBüro Vogler, IBV Berlin

Die Brandgefahr ist nur eines der Risiken, die ein schwerer Kurzschluss mit sich bringt. Schlagartig frei werdende Zersetzungsprodukte können die Haut schädigen, bei Inhalation  auch das Lungengewebe. Der Druckanstieg beim Zünden des Lichtbogens führt zum Wegschleudern von Türen oder Abdeckungen, zum Bersten von Gehäusen, zum Einbrechen von Zwischenwänden. Nebenbei entstehen durch den enormen Knall Schalldruckpegel von schätzungsweise mehr als 140 Dezibel.

Das endet in den meisten Fällen tödlich. Oder mit großflächigen Verbrennungen, die eine langwierige Heilbehandlung erfordern. Wie schnell es gehen kann, zeigen die Unfallmeldungen der BG Feinmechanik und Elektrotechnik.

Verbrennungen durch Störlichtbogen

Der Elektromonteur eines Netzbetreibers schließt einen Baustromverteiler an. Plötzlich fliegen die Funken: Kurzschluss mit Lichtbogenbildung. Der Monteur erleidet starke Verbrennungen an den Händen und Unterarmen. Später stellt sich heraus, dass der Verunglückte mit zwei blanken Maulschlüsseln neben nicht freigeschalteten und nicht isolierten Sammelschienen gearbeitet hatte. Den kompletten Unfallbericht finden Sie hier 

So weit hätte es niemals kommen dürfen. Die Fachkraft, so das Fazit der BGFE-Experten, hatte auf unsachgemäße Weise in der Nähe unter Spannung stehender Teile hantiert. Da hätten die Anforderungen für „Arbeiten in der Nähe aktiver Teile“ der Unfallverhütungsvorschrift BGV A3 berücksichtigt werden müssen.

IngenieurBüro Vogler, IBV Berlin

Arbeiten in der Nähe von Spannung

Idealerweise ist die Anlage spannungsfrei geschaltet. Wenn das die Umstände nicht erlauben, dürfen „Arbeiten in der Nähe“ zwar durchgeführt werden, wie in § 8 der BGV A3 nachzulesen ist. Doch nur unter strengen Auflagen. Zum Beispiel, wenn der Unternehmer „weitere technische, organisatorische und persönliche Sicherheitsmaßnahmen“ festlegt, die einen ausreichenden Schutz gewährleisten. Sie müssen also sicherstellen, dass unter Spannung stehende Teile nicht berührt werden können ‒ zum Beispiel durch Abdecken oder Abschranken. Das wurde bei dem Unfall eindeutig nicht erfüllt, erklärt die BGFE.

Außerdem hätte „durch die Art der verwendeten Werkzeuge und Hilfsmittel“ eine Körperdurchströmung oder Lichtbogenbildung ausgeschlossen werden müssen. Eine Tatsache, die auch in diesem Fall  missachtet wurde: Eine Fachkraft erlitt schwere Verbrennungen, weil sie bei elektrischen Arbeiten ein metallisches Rollbandmaß verwendete.

Präventionsmaßnahmen

Maßnahmen zur Vermeidung einer Störlichtbogenbildung haben oberste Priorität: Der Einbau geeigneter Schutzvorrichtungen, Bedienen der Anlage aus sicherer Entfernung und mit geeignetem Werkzeug. Das Tragen persönlicher Schutzausrüstung gehört zweifellos auch dazu, darf aber erst die letzte Maßnahme sein, als Ergänzung zu den technischen Methoden. Mehr dazu hier.

Zumindest wären viele elektrische Unfälle glimpflicher verlaufen, wenn die betroffenen Fachkräfte eine geeignete PSA verwendet hätten. An Arbeitsplätzen mit erhöhter Gefährdung durch Lichtbögen bedeutet das: Schutzkleidung aus schwer entflammbarem Material tagen. Die BGFE empfiehlt PSA entsprechend der Klasse 1 oder 2 der CENELEC-Methode.

Sonderseminar „Lichtbogen Live“

 „Schwere Verbrennungsunfälle durch Störlichtbogen verhindern“, das ist das Motto des Sonderseminars „Lichtbogen live“, den die BGFE gemeinsam mit dem Institut Prüffeld für elektrische Hochleistungstechnik GmbH (IPH) durchführt. Der Kurs findet bereits seit mehreren Jahren in der Bildungsstätte Linowsee, Berlin, statt und ist regelmäßig ausgebucht.

Die Teilnehmer loben immer wieder die gelungene Verbindung aus Theorie und Praxis. Behandelt wird zum Beispiel die Frage, bis zu welcher Lichtbogengefährdung von einer Schutzwirkung der PSA auszugehen ist. Im praktischen Teil werden verschiedene Stoffproben einem Lichtbogen ausgesetzt, um die verbesserte Schutzwirkung speziell behandelter Textilien zu verdeutlichen. Neu im Programm: Die Demonstration von Lichtbogenlöscheinrichtungen.

Die Termine 2008:

  • 2. - 13.6 
  • 25. - 26. 9.
  • 23. - 24.10

Kontakt: Bildungsstätte Linowsee

Email: schulung@linowsee.de

Fax: 033931 52233.

Die Nachfrage ist groß, eine frühzeitige Anmeldung wird empfohlen.

Fazit

Es sind immer wieder Fachkräfte bis hin zum Elektromeister, die an den Folgen eines Kurzschlusses verunglücken. Mitunter werden Grundsätze missachtet und das Ausmaß der Risiken unterschätzt. Beugen Sie Störlichtbogenunfällen vor ‒ nicht nur mit geeigneter Schutzausrüstung.

Weiterführende Links


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Autorin: Christine Lendt, Recherche + Text

www.recherche-text.de

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Mehr Artikel zum Thema BGV A3, Schutzkleidung.


Veröffentlicht:
2008-03-20

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