Unfallbeispiel
Niederspannungsverteilung nicht freigeschaltet
Es sollten nur schnell Anschlussdrähte gewechselt werden. Daher wollte sich der Monteur ein Freischalten der gesamten Niederspannungsanlage sparen. Dabei wurde jedoch ungewollt ein Kurzschluss ausgelöst.
Motorschutzschalter mit direkt dahinterliegender Sammelschiene
Arbeitsauftrag
Der Antriebsmotor eines Knollenbrechers in einem Kohlekraftwerk musste getauscht werden. Für diese Arbeiten wurden zwei erfahrene Elektromonteure eingeteilt. Die Anlage sollte für die Zeit der Arbeiten freigeschaltet werden.
Unfallhergang
Nach der Freischaltung der Anlage wechselten die Monteure auftragsgemäß den Motor und schalteten die Anlage wieder zu. Sie führten dann einen Probelauf durch.
Dabei stellten sie fest, dass die Drehrichtung nicht stimmte. Sie wollten nun zwei Anschlüsse wechseln.
Am Antriebsmotor konnten diese nicht einfach getauscht werden. Dazu hätten sie einen passenden Steckschlüssel zur Hand haben müssen. Deshalb gingen die Monteure zu der Niederspannungsverteilung, um am Motorschutzschalter den Phasentausch zweier Anschlüsse vorzunehmen. Nachdem der eine Monteur seinem Kollegen einen passenden Schraubendreher gereicht hatte, ließ er ihn bei den Arbeiten allein. Plötzlich vernahm er einen Knall und einen Lichtbogen. Er ging schnell wieder zurück. Hier fand er seinen Kollegen mit Verbrennungen. Er leitete sofort die Rettungsmaßnahmen ein. Weitere Kollegen eilten herbei und versorgten den Verunfallten.
Unfallanalyse
Die Unfalluntersuchung ergab, dass sich die Niederspannungsverteilung nicht, wie im Arbeitsauftrag eigentlich festgelegt, im freigeschalteten Zustand befand. Nur der Motorschutzschalter war abgeschaltet. Über dem betreffenden Schalter waren zwei Anschlussdrähte von der Sammelschiene kommend abgeklemmt.
Diese haben sich vermutlich berührt und einen Lichtbogen über die gesamte Sammelschiene ausgelöst.
Der Monteur wird anscheinend versucht haben, die Anschlussdrähte „schnell“ zu wechseln. Ein Freischalten der gesamten Niederspannungsanlage war in diesem Moment zu aufwendig. Die Gefahr, dass ungewollt ein Kurzschluss ausgelöst werden könnte, hatte er mit Sicherheit nicht einkalkuliert (§ 6 BGV A3).
Autor: Dr. Jens Jühling
Diesen sowie weitere Fachartikel zum Thema finden Sie im Produkt Arbeitsanweisungen für die Elektrofachkraft.


