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Elektromagnetische Verträglichkeit zur Umwelt

Macht uns die elektromagnetische Umwelt krank?

Kann ich durch elektromagnetische Felder erkranken? Müsste ich diesen Feldern über einen langen Zeitraum ausgesetzt sein oder genügt hierfür auch eine kurze Dauer der Feldexposition? Welche Feldstärkewerte gelten als unbedenklich oder wo beginnt der „gefährliche Bereich“? Was müssen Unternehmen tun, um ihre Beschäftigten zu schützen? Mit diesen und weiter führenden Fragen auf dem Gebiet der EMVU („Elektromagnetische Verträglichkeit zur Umwelt“) beschäftigt sich eine neue Artikelserie, die an dieser Stelle in loser Folge erscheinen wird.

Macht uns die elektromagnetische Umwelt krank?

Macht uns die elektromagnetische Umwelt krank?

Überall auf unserer Erde wirken elektromagnetische Phänomene auf technische Systeme, aber auch auf die biologische Umwelt ein. Die Wechselwirkungen bezüglich technischer Systeme sind Gegenstand der „Elektromagnetischen Verträglichkeit“ (EMV). Mit den Auswirkungen auf lebende Organismen, insbesondere auch auf den Menschen, beschäftigt sich das Gebiet der EMVU („Elektromagnetische Verträglichkeit zur Umwelt“).
Besonders hier gibt es bei der Mehrzahl der Menschen große Unsicherheiten und Ängste. Es stellen sich unzählige besorgte Fragen. Werde ich krank, wenn ich in der Nähe einer Mobilfunkbasisstation wohne? Bekomme ich Krebs, wenn über meinem Haus eine Freileitung verläuft? Wie kann ich mich schützen? Sind die Vorgaben des Gesetzgebers auf diesem Gebiet ausreichend? In welchen Vorschriften finde ich diese? Bin ich an meinem Arbeitsplatz besonders gefährdet? Dies sind nur einige wenige, wenn auch sehr häufig gestellte Fragen besorgter Menschen.

Wie weiter unten noch ausgeführt wird, obliegt gerade den Elektrofachkräften ein hohes Maß an Verantwortung auf dem Gebiet der EMVU im betrieblichen Umfeld. Aus diesem Grund wird künftig an dieser Stelle eine Artikelserie erscheinen, welche die oben aufgeworfenen und viele andere Fragen der EMVU diskutiert und den Elektrofachkräften Hilfe und Unterstützung bei der Bewältigung der daraus resultierenden Aufgaben bieten soll. Für darüber hinausgehende Detailfragen und Diskussionen stehen der Autor selbst und die WEKA Media GmbH&Co. KG dem interessierten Leser selbstverständlich gern zur Verfügung.

Die Beschäftigung und Auseinandersetzung mit dem Thema EMVU wird dem Interessierten meist nicht gerade leicht gemacht. Es existieren relativ wenige, für alle zugängliche Veröffentlichungen. Die Qualität und Seriosität lässt bei einem Teil sehr zu wünschen übrig. Besonders Beiträge im so genannten „Sommerloch“ einiger Zeitschriften und Fernsehsender erinnern mitunter eher an die Sparten science fiction oder Horror.

So wurde vor einigen Jahren in einer Fernsehsendung berichtet, dass ein Mann an Leukämie erkrankte, weil ein Bewohner der gleichen Straße in vielen hundert Metern Abstand sich ein neues Festnetztelefon mit Mobilteil gekauft hatte. Die im Beitrag gezeigten messtechnischen Untersuchungen mittels Antenne und Spektrumanalysator machte sehr deutlich, dass der „Messtechniker“ sicher das erste Mal in seinem Leben ein derartiges, kompliziertes Messgerät und das gleich ohne Hilfe bedienen sollte. Die Darstellung zeigte lediglich normales Umgebungsrauschen, wie es überall vorkommt. Dies ist nur ein Beispiel von vielen.

Es soll aber auch betont werden, dass es selbstverständlich seriöse und wissenschaftlich fundierte Berichte zur Problematik der EMVU gibt. Als Beispiele seien die Studien des VDE (Verband Deutscher Elektrotechniker) und der Deutschen Strahlenschutzkommission sowie die Buchreihe von Prof. Brinkmann genannt. Hierzu erfolgen zu einem späteren Zeitpunkt noch detaillierte Informationen.

Will man sich seriös mit dieser Problematik auseinander setzen, so steht man einer sehr komplexen und umfangreichen Thematik gegenüber. Einerseits muss man die physikalischen Größen und deren Verursacher kennen, andererseits benötigt man Kenntnisse zum Wirken dieser Größen auf den Menschen. Darüber hinaus sind für Entscheidungen die maximal zulässigen Amplituden wichtig, bei deren Unterschreitung es nach heutigem Kenntnisstand zu keinen gesundheitsschädigenden Wirkungen auf den Menschen kommt. Nun sind sicher die meisten Elektrofachkräfte, wie auch der Autor selbst, medizinische Laien. Deshalb sollte man in Fragen der Wirkungen auf die Forschungsergebnisse zahlreicher Mediziner zurückgreifen, die bereits seit vielen Jahrzehnten an dieser Problematik arbeiten. Näheres hierzu erfahren Sie in einem der nächsten Artikel.

Überall dort wo ein Strom fließt, verursacht er ein magnetisches Feld, jede Spannung hat ein elektrisches Feld zur Folge. Somit sind jede elektrische Anlage und jedes Einzelgerät sowohl von elektrischen als auch von magnetischen Feldern umgeben. Die Tabelle 1 zeigt einige Beispiele für Haushaltgeräte.

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Tabelle 1: magnetische Flussdichtewerte, verursacht von verschiedenen Haushaltgeräten (Quelle: Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg)

In der Tabelle sind magnetische Flussdichtewerte in Abhängigkeit vom Geräteabstand verzeichnet. Die magnetische Flussdichte ist mit der magnetischen Feldstärke durch die Beziehung B = µ x H verknüpft, wobei B die magnetische Flussdichte in T (Tesla), H die magnetische Feldstärke in A/m und µ die Permeabilität (µ = µ0 x µr)

) verkörpern.
Natürlich sind dies nicht die einzigen Felder, die in der Umwelt vorhanden sind. Man denke beispielsweise an Maschinen, die während ihres Betriebs sowohl elektrische und magnetische, aber auch hochfrequente elektromagnetische Felder erzeugen. Beispiele sind Spatteranlagen, Anlagen in der Aluminiumschmelze, Lasertechnik, USV-Anlagen und Frequenzumrichter. Derartige Felder werden mitunter aber auch gewollt erzeugt. Dies geschieht unter anderem in der Medizintechnik (Computertomographen) und in der Funktechnik (Fernsehsender, Mobilfunkeinrichtungen, Satellitenfunk usw.). Nicht zuletzt sorgt auch die Natur selbst für Feldbeaufschlagungen. Zu nennen sind hier unter anderem das Erdmagnetfeld sowie Felder, die durch Sonnenaktivitäten oder Gewittertätigkeit entstehen.
Die soeben gemachten Ausführungen stellen nur einige wenige Beispielgruppen dar und sollen die Gesamtsituation verdeutlichen.

Auf der Grundlage langjähriger, medizinischer Forschung wurden von unterschiedlichen Gremien Grenzwerte in einem Frequenzbereich von 0 Hz bis 300 GHz abgeleitet. Die Festlegung solcher Maximalwerte soll dafür sorgen, dass es zu keinen gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Menschen durch magnetische, elektrische oder elektromagnetische Felder kommen kann. Neben umfangreicher Grundlagenforschung haben die Mediziner auch eine große Anzahl von Kurz- und Langzeitstudien (bis zu 20 Jahre) durchgeführt. Die Ergebnisse stellen somit den heutigen Kenntnisstand auf diesem Gebiet dar. Sie beinhalten sowohl gesicherte als auch bis jetzt noch nicht völlig zweifelsfrei nachgewiesene Resultate.

Die Forschungsergebnisse sind nun in eine Vielzahl von Festlegungen (Gesetze, Normen, berufsgenossenschaftliche Vorschriften und EU-Richtlinien) eingeflossen. Die entstandenen Vorschriften haben verschiedene Anwendungsbereiche und legen teilweise unterschiedliche Grenzwertvorgaben fest. Sie weisen unterschiedliche Verpflichtungsgrade zur Anwendung und Durchsetzung auf.

An dieser Stelle sollen zunächst nur einige Beispiele exemplarisch genannt werden:

  • EU-Richtlinie 2004/40/EC,
  • 26. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (26. BImSchV),
  • BGV B11 und
  • TRBS 2131.

Die einzelnen Vorschriften werden später noch genauer betrachtet. Ebenso werden geforderte Maßnahmen und Aktivitäten für die Unternehmen abgeleitet.

Im betrieblichen Umfeld besitzen die Elektrofachkräfte auf dem Gebiet der EMVU einen besonderen Status. Dieser resultiert vor allem aus den nachfolgend genannten Gesichtspunkten.

  • Die Elektrofachkräfte können durch ihre tägliche Arbeit in hohem Maße die Feldbelastung im Unternehmen beeinflussen (z.B. Art der Kabelverlegung, Kabelauswahl, Vorschläge bei der Anschaffung von Geräten, Anlagen oder Anlagenteilen, räumliche Anordnungen …).
  • Die Elektrofachkräfte sind die Experten auf dem Gebiet der Elektrotechnik in ihren Unternehmen. Durch ihr Wissen, ihre Erfahrungen und neu zu erwerbende Kenntnisse können sie die Unternehmensleitungen über Möglichkeiten zur Feldminimierung informieren und beratend zur Seite stehen.
  • Die Elektrofachkräfte können bei Kenntnis der gesetzlichen und berufsgenossenschaftlichen Vorschriften die Geschäftsführung über die geforderten Maßnahmen informieren, beratend zur Seite stehen und somit die Personensicherheit auf dem Gebiet der EMVU maßgeblich positiv beeinflussen.
  • Die Elektrofachkräfte können geforderte Nachweise und Anzeigen nach den relevanten Vorschriften vorbereiten, indem sie auf diese hinweisen sowie messtechnische Untersuchungen durchführen oder geeignete Institutionen vorschlagen, die derartige Messungen professionell durchführen.
  • Die Elektrofachkräfte sind bei der eigenen Tätigkeit selbst Feldeinwirkungen ausgesetzt, die meist über dem Maß vieler anderer Berufsgruppen liegen und sollten somit auch ein persönlich starkes Interesse an der Durchsetzung der gesetzlichen und berufsgenossenschaftlichen Vorschriften haben.

Dies sind einige wenige Gesichtspunkte, welche die besondere Verantwortung der Elektrofachkräfte auf dem Gebiet der EMVU verdeutlichen sollen. Der Personenschutz sollte in allen Betrieben und Einrichtungen an erster Stelle stehen und dazu gehört auch, der Schutz der Beschäftigten gegen zu starke Feldbelastungen.

In der Folgezeit werden die einzelnen Aspekte dieses Artikels separat weiter ausgebaut. Besondere Schwerpunkte werden hierbei sein:

  • Feldquellen und Möglichkeiten zur Abschätzung von Feldern,
  • Wirkungen auf den Menschen,
  • gesetzliche, berufsgenossenschaftliche und normative Vorschriften auf dem Gebiet der EMVU,
  • geforderte Aktivitäten und Nachweisführungen,
  • Maßnahmen zur Feldreduzierung sowie
  • empfehlenswerte Publikationen auf dem Gebiet der EMVU.

Autor: Dipl.-Ing. Gerd Zschau
Technische Universität Dresden
Elektrotechnisches Institut

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Veröffentlicht:
2008-12-16

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