Der FI-Schutzschalter und seine Grenzen

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Einsatz von Fehlerstromschutzschaltern

Der Fehlerstromschutzschalter ist ein kleines Wunderwerk. Er schaltet eine Durchströmung so schnell ab, dass sie bzw. die Elektrizität noch keinen bleibenden Gesundheitsschaden anrichten kann. Trotzdem beseitigt der FI-Schutzschalter nicht alle Risiken des elektrischen Stroms. Das Know-How der Elektrofachkraft ist gefragt!

Dem Fehlerstromschutzschalter bzw. seinem Erfinder ist es mit zu verdanken, dass die Zahl der Elektrounfälle mit Todesfolge in Deutschland in den letzten Jahrzehnten um weit mehr als die Hälfte zurückgegangen ist. Allerdings, auch seine Schutzwirkung hat ihre Grenzen.

Grenzen des FI-Schalters

Nicht alle möglichen Gefährdungen werden von ihm erfasst. Auch dort wo er zum Einsatz kommt, bleibt ein gewisses Risiko für denjenigen, der elektrische Geräte unsachgemäß oder sorglos benutzt. Ein vernünftiges Verhalten hinsichtlich der Elektrosicherheit ist aber auch dort, wo ein FI-Schutzschalter eingesetzt wurde immer erforderlich. Am Beispiel des Badezimmers soll dies erläutert werden.

Selbst die empfindlichsten der FI-Schutzschalter (30 mA) haben keine 100%- ige Schutzwirkung.

Zu bedenken ist weiterhin, dass eine Durchströmung erst einmal auftreten muss, ehe der FI-Schutzschalter zum Abschalten angeregt wird. Sie wird nur zeitlich, aber nicht in ihrem Wert begrenzt; der Körperstrom hat bis zum Abschalten z. B. den relativ hohen Wert von z. B. IK= 230 V/Körperwiderstand RK rund 230V / 1000 Ohm= 230 mA). Die durchströmte Person erhält somit immer einen kräftigen elektrischen Schlag, der zwar sehr wahrscheinlich keine elektrisch bedingten Gesundheitsschäden bewirkt, aber natürlich zum Erschrecken, zum Sturz, zu Verletzungen oder besonders bei Kindern zur Panik führen kann.

Das heißt z. B.: Mit dem Netz verbundene elektrische Geräte dürfen:

  • beim Baden trotz des wachsamen FI-Schutzschalters keinesfalls verwendet werden
  • und sollten nicht im Handbereich der Badewanne oder Dusche liegen bleiben.

Ein eigener FI für die Leuchten

Mit der Neuausgabe der Norm DIN VDE 0100 Teil 701 wurde der Einsatz der Fehlerstromschutzschalter für die gesamte Badezimmerinstallation mit Ausnahme des Warmwasserbereiters vorgegeben. Warum so entschieden wurde, das ist aus schutztechnischer Sicht nicht zu verstehen.
Einmal liegt der Warmwasserbereiter oftmals im Handbereich der Badenden.
Zum Anderen werden künftig dann wohl Steckdosen und Beleuchtung zumeist über einen gemeinsamen FI-Schutzschalter versorgt; und wenn das so ist, dann führt das Abschalten einer Durchströmung dazu, dass der Durchströmte auch noch im Dunklen sitzt.

Das heißt: Wer Einfluss auf das Errichten der Elektroinstallation nehmen kann, sollte im Gegensatz zur normgerechten Lösung:

  1. einerseits die Steckdosen und andererseits die Beleuchtung des Badezimmers über getrennte FI-Schutzschalter anschließen und
  2. den Stromkreis des Warmwasserbereiters mit über den für die Steckdosen vorhandenen FI-Schutzschalter führen.

Schutzphilosophie der Sicherheitsnormen der Elektrotechnik

Der Schutz gegen elektrischen Schlag bei Geräten mit einem Isolierkörper beruht auf

  • dem Schutz gegen Berühren durch eine erste Isolierung und
  • dem nochmaligen Schutz durch eine weitere (zweite) Isolierung (oder einer Verstärkung der ersten Isolierung) und
  • dem zusätzlichen Schutz durch einen FI-Schutzschalter, wenn, wie im Bad, die Gefahr besteht, dass die Isolierungen versagen.

Vorsicht in jedem Fall

Auf Baustellen, in Badezimmern, im Freien und auch an anderen Orten werden aus vielerlei Gründen gerne elektrische Geräte mit einem Körper aus Isolierstoff verwendet. Hinsichtlich der Elektrosicherheit haben sie neben einigen Vorteilen leider auch einen erheblichen Nachteil.
Dringt in diese Geräte Schmutz oder Nässe ein, so erfolgt keine Abschaltung, da kein Schutzleiter vorhanden ist, der das Trennen vom Netz durch den FI-Schutzschalter bewirkt. Es muss also, wie oben gezeigt, erst zu einer Durchströmung kommen ehe der FI-Schutzschalter anspricht. Deshalb gilt:
Jedes Elektrogerät ist ordentlich zu behandeln (Nässe, Schmutz, Kraft) und geschützt zu lagern, sowie vor jeder Anwendung zu kontrollieren.

Autor: Dipl.-Ing. Klaus Bödeker, Fachautor für Prüftechnik

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