Kommunikation
Wie sage ich es meinem Chef?
Warnungen aussprechen, Anlagen ausschalten, Fehler bemängeln… Die Entscheidungen der Elektrofachkraft stoßen beim Unternehmer nicht immer auf Begeisterung, muss er doch Produktionsausfälle und höhere Kosten befürchten. Sie aber dürfen in diesen Fällen nicht nachgeben. Nach einem kleinen Kommunikationstraining öffnen sich Türen leichter ‒ in allen Lebenslagen.
Wie sage ich es meinem Chef?
Oft sind es Kleinigkeiten, die große Folgen haben können: Sie sollen das kostengünstigste Messgerät anschaffen - haben aber den Eindruck, dass gerade das nicht den Anforderungen entspricht oder zu Fehleinschätzungen führen kann.
Bei Vielfachmessgeräten etwa irrt man sich leicht bei der Auswahl des Messbereiches. Oder es geht darum, den Betrieb für mehrere Stunden auszuschalten. Sie selbst wissen, wie wichtig es ist. Aber können Sie es Ihrem Chef auch beibringen?
Eine gute Atmosphäre schaffen
Wenn Sie gegen Maschinenlärm anschreien müssen, der Boss laufend nervös auf die Uhr schaut, weil Kundenbesuch ansteht oder er bereits von fünf fragenden Mitarbeitern umzingelt ist, können Sie sicher sein, mit ihrem Anliegen auf Ablehnung zu stoßen. Eine entspannte Atmosphäre dagegen ist förderlich für die Gesprächsführung.
Stimmen Sie sich vorab positiv ein: Stellen Sie sich vor, wie Sie ruhig und freundlich Ihre Argumente äußern, sich nicht Aufregen, wenn Ihr Vorgesetzter erst ungehalten reagiert und schließlich zu einem guten Ergebnis kommen. Gehen Sie erst dann zu ihm und bitten Sie ihn um ein kurzes Gespräch unter vier Augen.
Ganz wichtig: Halten Sie Blickkontakt mit Ihrem Gegenüber und machen Sie eine gute Miene zu ernsten Themen. Vorwürfe nach dem Motto „Es wurde aber auch Zeit, dass hier mal jemand kontrolliert“ sind fehl am Platz. Zeigen Sie vielmehr, dass es Ihnen nur um die Verbesserung einer Situation geht.
Argumentieren statt Belehren
Und da sind wir auch schon bei einem der Grundsätze effektiver Kommunikation:
- Überzeugen Sie durch Argumente und nicht durch ihre Position!
Sagen Sie also nicht „Ich bin hier die Elektrofachkraft und weiß, was ich tue“.
Argumentieren Sie nie überheblich, rechthaberisch, verallgemeinernd oder gar drohend: Menschen, die sich persönlich angegriffen fühlen, reagieren entsprechend. Besser ist es, genau und sachlich zu erläutern, warum diese Maßnahme jetzt wichtig ist.
Fakten und Beispiele nennen
Bleiben Sie objektiv und beschreiben Sie die Fakten. Gefühlsausbrüche sind tabu. Besonders überzeugend wirken konkrete Beispiele. Sagen Sie etwa „wenn ich in der Nähe spannungsführender Teile mit nicht isoliertem Werkzeug hantiere, kann es einen Störlichtbogen geben. Und das kann zu schlimmen Unfällen führen. Übrigens ist anderes Werkzeug unter diesen Umständen gar nicht gestattet“
Stehen Sie hinter Ihren Entscheidungen und strahlen Sie Überzeugung aus. Verweisen Sie ruhig auf Fachartikel wie diesen: "Die Folgen des großen Knalls" . Am besten mit den Worten: „Hätten Sie das gedacht? Auch ich war überrascht, was für eine Wucht ein Lichtbogen entfalten kann“.
Zu Wort kommen lassen
Trotz allem müssen Sie auch mit Ablehnung rechnen. Natürlich bleiben Sie bei Ihrer Linie, aber: Hören Sie zunächst einmal zu. Ein Unternehmer ist auch nur ein Mensch. Lassen Sie ihn seine Argumente in Ruhe vortragen.
Dazwischenreden ist ein absolutes „No Go“ in Gesprächen. Wenn ein nicht enden wollender Wortschwall unbedingt unterbrochen werden muss, sollte man immer mit der Anrede des Gegenübers beginnen: „Herr Meier-Schulze, bitte bedenken Sie dabei doch…“
Kompromissbereitschaft zeigen
Zeigen Sie Verständnis für die (wirtschaftlichen) Bedenken Ihres Vorgesetzten. Ideal ist es, wenn flexible Lösungen zum Problem in Betracht kommen. Erklären Sie etwa: „Unter Umständen lässt sich das Abschalten der Anlage umgehen, wenn hinreichend feste und zuverlässig angebrachte isolierende Abdeckungen oder andere geeignete Einrichtungen verwendet werden.“
Im gegenteiligen Fall helfen Aussagen wie: „Ich würde Ihnen wirklich gerne Alternativen anbieten, aus Sicherheitsgründen ist das aber nicht möglich. Ein Unfall wäre mit weitaus schlimmeren persönlichen und finanziellen Einbußen verbunden“. Oder: „Es tut mir leid, aber nicht unterwiesene Personen dürfen nicht in der Nähe von unter Spannung stehenden Teilen arbeiten oder sich dort aufhalten. Da können wir nichts machen.“
Gespräche positiv beenden
Wer einen netten Eindruck hinterlässt, wird beim nächsten Mal offener empfangen: Beenden Sie Gespräche immer positiv und mit einer freundlichen Geste. Das kann ein „Vielen Dank für Ihre Zeit“ sein oder ein schlichtes „Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag“.
Fazit
Haben Sie oft Konflikte mit Vorgesetzten oder anderen Menschen? Dann denken Sie ruhig auch einmal in Ruhe über Ihre Art der Gesprächsführung nach: Manch einer neigt dazu, unglückliche Formulierungen zu verwenden oder andere vor den Kopf zu stoßen ‒ oft ohne jegliche Absicht. Es lohnt sich, Kommunikation selbst ein wenig zu trainieren oder Seminare zu besuchen: Sie werden im Job und privat auf weniger Widerstände stoßen.
Autorin: Christine Lendt, Recherche und Text
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