Intuitiv richtig
Hören Sie auf Ihre innere Stimme
Sie spricht mit uns, ganz leise. Nur wir können sie hören. Doch nicht immer nehmen wir unsere innere Stimme ernst, vor allem nicht im Job. Ein Fehler. Gerade hier kann das Bauchgefühl eine wichtige Entscheidungshilfe sein, wie wissenschaftliche Untersuchungen belegen. Wer seiner inneren Stimme vertraut, trifft oft die besseren Entscheidungen.
Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl
Daten und Fakten haben im Job einen deutlich höheren Stellenwert als Intuition und Gefühl. Schließlich will man auf Nummer sicher gehen, Gefühlsduseleien kann man sich im knallharten Business nicht leisten. Doch mal Hand aufs Herz: Haben Sie im Berufsleben nicht schon einmal auf Ihren Bauch gehört und Ihre Ratio ignoriert?
Keine Sorge, Sie sind nicht alleine. Vielen geht es ebenso, auch wenn sie es nicht zugeben. Doch getroffene Bauchentscheidungen werden Mitarbeitern und Kollegen nicht als solche verkauft. Da werden Fakten zusammengeschustert, die den intuitiven Entschluss „untermauern“, oder man beruft sich schlichtweg auf seine langjährige Erfahrung. So wird die Entscheidung sozusagen legitimiert. Der ganze Aufwand nur, um nicht zugeben zu müssen, dass man so ein merkwürdiges Gefühl hatte.
Stimmgewaltig
Was ist die innere Stimme eigentlich? Sie ist so etwas wie eine köpereigene Alarmglocke, die sich meist meldet, wenn man eine Entscheidung treffen muss. Sie verhilft zu einer Lösung, ohne dass man rational nachvollziehen kann, warum man so handelt und nicht anders. Wissenschaftler gehen davon aus, dass wir dabei unbewusst auf erlernte, erfahrene oder angeborene Muster zurückgreifen, die uns beeinflussen.
Ein Beispiel: Sie sollen einen neuen, wichtigen Kunden gewinnen, der im Ruf steht, schwierig zu sein. Bereits bei dem ersten Treffen wissen Sie sofort, wie Sie mit ihm umzugehen haben, was Sie sagen dürfen und was nicht und welche Themen angebracht sind, um das Eis zu brechen. Erfahrung, Menschenkenntnis? Sicher, aber kombiniert mit einem gehörigen Schuss Bauchgefühl. Vielleicht erinnert Sie der Geschäftspartner in spe an jemanden, der ähnlich gestrickt ist, vielleicht ein Kollege oder jemand aus Ihrem privaten Umfeld. Dadurch haben Sie ein Verhaltensmuster abgespeichert, das genau in diese Situation passt, und das Sie in diesem Moment intuitiv richtig anwenden.
Dem Bauchgefühl vertrauen
Eine innere Stimme besitzt jeder, doch nicht jeder hört auf sie. Die Intuition sitzt bei vielen versteckt in der Gefühlsecke des Gehirns, verdrängt und ausgebotet vom Verstand. Doch dem Wissen sind in vielen Bereichen Grenzen gesetzt, und genau dann macht es Sinn, auf sein Bauchgefühl zu vertrauen. Hinzu kommt, dass die heutige Schnelllebigkeit dazu führt, dass eine schnelle Entschlussfreudigkeit über die berufliche Existenz entscheiden kann. Für langwieriges Abwägen und Analysieren bleibt oftmals keine Zeit. Investmentbanker haben nur Sekunden, um ein Geschäft abzuschließen. Das reicht nicht, um den Verstand einzuschalten - aber um auf seinen Bauch zu hören.
Führungskräfte im Nachteil
Wissenschaftler haben in Studien herausgefunden, dass Menschen intuitiver sind, wenn sie sich in einer „untergeordneten“ Position befinden - privat oder beruflich. „Unterlegene“ Personen loten die Gefühle ihrer Mitmenschen aus, um sich so Vorteile und Wohlwollen zu verschaffen. So lernen sie, ihrer Intuition zu vertrauen. Führungskräfte haben das nicht nötig und stehen dem Thema auch nicht unbedingt offen gegenüber. Es fällt ihnen schwer, Intuition als berufliche Kompetenz zu verstehen und nicht als Hokuspokus.
Fazit
Sie können intuitiv sein - und das im positivsten Sinne. Sie müssen sich nur trauen. Fangen Sie erst mal klein an. Hören Sie hin und wieder auf Ihre innere Stimme, und warten Sie ab, was passiert. Sie werden angenehm überrascht sein, schon bald wird Ihr Bauch zu einem klugen Ratgeber. Das sollte natürlich nicht so weit gehen, dass Sie sich nur noch auf Ihre Intuition verlassen. Sie ist der perfekte Berater, wenn sie mit Wissen, Menschenkenntnis und Erfahrung kombiniert wird.
Petra Dietz, freiberufliche Redakteurin

