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Karrieretipps

Erfolgreich durch Positives Denken?

Jeder Mensch bekommt das, was er erwartet, heißt es in vielen Karriere-Ratgebern. Positives Denken ist zu einem festen Begriff geworden. Kritiker der Theorie setzen dagegen: Eine zu rosarot gefärbte Brille verwehrt den Blick auf das Machbare. Doch mit wohl dosiertem Optimismus lässt sich durchaus mehr erreichen.

Positives Denken lässt sich trainieren – befolgen Sie die Karrieretipps

Positives Denken lässt sich trainieren – befolgen Sie die Karrieretipps

„Think pink“, dieser Spruch prangte schon auf Buttons der 1980er Jahre, und das war oft gar nicht so ernst gemeint.

Dann schlugen auch in Deutschland erste Ratgeber ein, die mit missionarischem Eifer die Theorie des Positiven Denkens verbreiteten. Auf fast magische Weise schienen sie sich zu vermehren.

Heute füllen die ermunternden Botschaften ganze Buchhandlungen und Bestsellerlisten. Im Grunde sei doch alles ganz einfach, man sollte Leben, statt sich zu sorgen, meditierend Berge versetzen und seine Gedanken auf Erfolg programmieren.

Wie Positives Denken aufkam

Der Kult kam aus den USA, wo der Pfarrer Dr. Norman Vincent Peale bereits 1952 sein religiös geprägtes Werk „Die Kraft Positiven Denkens“ veröffentlichte, das die New Yorker Bestsellerliste eroberte. Was auch immer man sich wünsche, könne man mit dieser Einstellung erreichen, lautete die zentrale Botschaft.

Viele der modernen Karrieretipps basieren auf dieser Theorie, wobei der religiöse Aspekt heute oft ausgeklammert wird.

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Die sich selbst erfüllende Prophezeiung

Fast zeitgleich, im Jahr 1948, etablierten Sozialwissenschaftler den Begriff der „sich selbsterfüllenden Prophezeiung“. Demnach kann bereits eine gesellschaftliche Prognose dazu führen, dass das erwartete Ergebnis tatsächlich eintritt.

Der US-Soziologe Robert K. Merton belegte das Phänomen anhand empirischer Beispiele. So können schon Gerüchte über die mangelnde Liquidität einer Bank zu deren Pleite führen. Ein Wissen übrigens, das führende Politiker auch angesichts der aktuellen Wirtschaftskrise warnen ließ - am Ende könnte sich die Situation allein durch Panikmache verschlimmern.

Zukunftsforscher bestätigen außerdem: Durch eine Jammer-Mentalität werden natürliche Veränderungsimpulse unterdrückt.

Was negative Gedanken bewirken können

Schon mit wenig Verstand lässt sich ausmalen, dass Pessimismus tatsächlich Erfolge schmälert. Wer mit der Einstellung „Für den Job bin ich bestimmt nicht geeignet “ in ein Vorstellungsgespräch  geht, wird den Personalchef kaum überzeugen. Denn auch unausgesprochene Zweifel kommen beim Gegenüber an. Negative Gedanken spiegeln sich in Gesichtsausdruck, Körperhaltung und Kommunikation wider.

Das eigene Handeln provoziert schließlich das erwartete Ergebnis. Umgekehrt wird ein Mensch, der nur das Beste erwartet, alles dafür tun, um genau das zu erreichen.

Selektive Wahrnehmung vermeiden

Hinzu kommt, dass Pessimismus zu einer selektiven Wahrnehmung führt. Ein Klassiker ist der Autofahrer, der nur über die roten Ampeln schimpft (und dabei übersieht, dass er auch viele grüne Ampeln passiert).

Ähnlich verhält es sich dann oft bei der Wahrnehmung eigener Erfolge oder der Sympathie von Mitmenschen. Der Grundtenor in vielen Karrieretipps lautet daher, dass negative Erwartungshaltungen tunlichst zu vermeiden sind.

Acht Karrieretipps für eine positive Einstellung

Bis zu einem gewissen Maß lässt sich Positives Denken trainieren. Die Lektüre seriöser Ratgeber und Karrieretipps kann dazu beitragen. Viele Experten sind sich in den folgenden Punkten einig:

  1. Hinterfragen Sie Ihre Glaubenssätze: Könnte es sein, dass Sie sich mit negativen Erwartungen selbst im Wege stehen?
  2. Ersetzen Sie negative Erwartungen durch positive Formulierungen.
  3. Denken Sie in Erfolgen. Machen Sie sich regelmäßig bewusst, was Sie erreicht haben.
  4. Sehen Sie auch die kleinen Erfolge und Ihren Weg zum Ziel.
  5. Visualisieren Sie das, was Sie noch erreichen möchten. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, wie Sie in dem begehrten Job erfolgreich sind.
  6. Gewöhnen Sie sich an, gleich nach einer Lösung zu suchen, anstatt im Problem zu verharren.
  7. Tun Sie sich etwas Gutes: Sport, gesunde Ernährung und schöne Erlebnisse tragen zu einem positiven Lebensgefühl bei.
  8. Sein Sie geduldig mit sich: Negative Gedanken können hartnäckig sein.

Aber: Realistisch bleiben!

Der Boom der Glückbringer-Bücher hat, bemängeln zunehmend Kritiker, auch seine Schattenseiten. Denn die Ratschläge und Karrieretipps können zwar die eigene Denkweise unterstützen und wertvolle Anregungen geben.

Bei massiven Problemen aber ersetzen sie den Therapeuten nicht. Wer zum Beispiel unter schweren Depressionen leidet, kommt mit Hinweisen wie „Nehmen Sie sich als erfolgreichen und glücklichen Menschen wahr“ kaum weiter. Im Gegenteil: Warnsignale werden so mitunter übersehen.

Wie so oft, ist der goldene Mittelweg zu empfehlen. Es ist möglich, optimistisch zu denken, ohne den Sinn für die Realität zu verlieren. So können Sie sich zum Beispiel sagen: „Nach einem halben Jahr werde ich meine Schulden Stück für Stück abgebaut haben“ - und alle dafür erforderlichen Maßnahmen ergreifen.

Es macht Sinn, sich mit den Mechanismen destruktiver Gedanken zu beschäftigen und sich um eine positive Lebenseinstellung und positives Denken zu bemühen. Karrieretipps können dabei durchaus motivierend sein.


Christine Lendt, www.recherche-text.de
Frau Lendt ist freie Journalistin.


Veröffentlicht:
2009-07-13

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